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Hermann Bausinger
ÖZV LVIII/ 107
Indianer Glossar ::: zum Glossareintrag Indianer kannten 263 Arten von Gegenständen, die Hausformen ein-geschlossen, uns bietet allein der Quelle- Katalog über hunderttau-send an. Die Anthropologin Asa Briggs charakterisiert in ihrerUntersuchung viktorianischer Dinge das 19. Jahrhundert durch„, ex-altation of the world of things"; als zentrales Beispiel führt sie dieWeltausstellungen an, die seit 1851 veranstaltet wurden. Die Beob-achtung lässt sich erweitern durch den Hinweis auf die Ende des 19.Jahrhunderts anwachsende Tendenz zur Musealisierung, aber auchzur Ansammlung besonderer Dinge im privaten Bereich.
Im Sommer 2001 zeigten das Schiller- Nationalmuseum und dasDeutsche Literaturarchiv Marbach unter dem Titel„ Erinnerungs-stücke“ eine Ausstellung, die für diese Institutionen ungewöhnlichwar: Während dort sonst fast ausschließlich Flachware zu besichtigenist, wurden jetzt Kleidungsstücke, Schmuck, Bilder, Gebrauchsge-genstände aller Art gezeigt. Die meisten der ausgestellten Stückekönnen mit der angedeuteten Extensivierung der Dinge in Zusammen-hang gebracht werden. Ich wähle diesen Terminus in Anlehnung an RolfEngelsings historische Studien zum Leseverhalten. Danach herrschte bisgegen Ende des 18. Jahrhunderts die intensive Lektüre vor- wer las,vertiefte sich fast nur in die Bibel und wenige Andachtsbücher, dieimmer wieder vorgenommen wurden; dann vermehrte sich sprunghaftdie Zahl der Bücher, und es kam zur extensiven Lektüre8. Eine ähnlicheEntwicklung gibt es bei den Dingen, und gerade sie führt dazu, dasseinzelne Dinge besonders herausgestellt werden.
Zu den Marbacher Ausstellungsstücken gehörte beispielsweiseeine Tabaksdose mit einem Portrait und seltsamen eingraviertenZeichen. Zum Verständnis dieses wie auch der anderen Ausstellungs-stücke ist der Kontext von Wichtigkeit, der gesellschaftliche undkulturelle Hintergrund, vor dem sich diese Erinnerung und Ehrungmaterialisierte. Es war eine Ehrung, die postume Ehrung des preußi-
6 Jeggle, Utz: Vom Umgang mit Sachen. In: Köstlin, Konrad, Hermann Bausinger( Hg.): Umgang mit Sachen. Zur Kulturgeschichte des Dinggebrauchs. Regens-burg 1982, S. 11-25; hier S. 14.
7 Briggs, Asa: Victorian Things. Chicago 1989.
8 Engelsing, Rolf: Der Bürger als Leser. Stuttgart 1974, S. 182 ff. passim. Inzwi-schen wurde verschiedentlich kritisiert, dass Engelsing Ausmaß und Diversifi-kation der frühen Lektüre unterschätzt habe; tendenziell ist aber seine Skizze derEntwicklung richtig.
9 Hierzu und zu den folgenden Belegen Davidis, Michael, Gunther Nickel: Erinne-rungsstücke von Lessing bis Uwe Johnson(= Marbacher Katalog 56). Marbach 2001.