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Ulrich Hägele
ÖZV LV/ 104
ten. Groschopf wollte ,, sämtliche Töpfer Württembergs, 50 an derZahl" besuchen und 600 Fotos von Tonwaren anfertigen. Die Studieverspreche ,, doch vor allem auch für die Volkskunst, die Kenntnis derStammeseigenarten der süddeutschen Stämme und die süddeutschenStammesgrenzen einen schönen Beitrag zu liefern!"* 88
Daß es im Bereich der Ideologiebildung nicht um den wissen-schaftlichen Diskurs im allgemeinen und um einen ethnographisch-kritischen Umgang mit dem Medium Fotografie im besonderen ging,zeigen Engagement und Einbindung der Volkskunde in die For-schungs- und Lehrgemeinschaft ,, Das Ahnenerbe" 89. Die Leitung der,, Außenstelle Süd- Ost" hatte im September 1938 der VolkskundlerRichard Wolfram( 1901-1995) an der ,, Lehr- und Forschungsstättefür germanische Volkskunde" in Salzburg übernommen." Bei seinenumfangreichen Forschungen in Salzburg nutzten Wolfram und seineMitarbeiter die fotografische und filmische Aufnahme als primäreErhebungsmethode. Nachdem im Oktober 1939 Himmler von Hitlerper Erlaẞ beauftragt worden war, die ,, Zurückführung der Reichs- undVolksdeutschen im Ausland" 1 in die Wege zu leiten, begann Wolframumfangreiche fotografische und filmische Feldstudien in Südtirol, die
88,, Bitte um Zuwendung eines Forschungsstipendiums", Günter Groschopf( Geis-lingen) an den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,29. April 1938, Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz/ Zen-tralarchiv, I/ DVKK 18.
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89 Das ,, SS- Ahnenerbe" wurde am 19. Oktober 1935 gegründet und sollte ein mitwissenschaftlichem Anspruch versehener Gegenpol zur destruktiven Kultur- undWissenschaftspolitik Rosenbergs bilden. Gleichwohl war das Ahnenerbe strammauf SS- Kurs( die Oberhoheit lag bei SS- Reichsführer Heinrich Himmler) undsuchte, auch in der Volkskunde, weltanschaulich hergeleitete Axiome durchpseudowissenschaftliche Vorgehensweise zu bestätigen und zu zementieren.Während des Krieges spielte das„, Ahnenerbe" eine entscheidende Rolle bei derRequirierung und beim Raub von Kulturgütern aller Art, vor allem in denbesetzten Ostgebieten. Vgl. dazu besonders Kater, Michael: Das ,, Ahnenerbe"der SS 1935-1945. Ein Beitrag zur Kulturpolitik des Dritten Reichs. Stuttgart1974; Jeggle, Utz: Volkskunde im 20. Jahrhundert. In: Brednich, Rolf W.( Hg.):Grundriß der Volkskunde. Berlin 1988, S. 51-71.
90 Zu Wolframs Rolle in der NS- Volkskunde, siehe vor allem: Bockhorn, Olaf,Helmut Eberhart: Volkskunde im Reichsgau Salzburg. Institutionen- Personen-Tendenzen. In: Haas, Walburga( Hg.): Volkskunde und Brauchtumspflege Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumspflege imNationalsozialismus in Salzburg. Bericht zur Tagung am 18. und 19. November1994 in der Salzburger Residenz. Salzburger Beiträge zur Volkskunde, Bd. 8.Salzburg 1995/96, S. 57-80.
91 Kater, Michael: Das ,, Ahnenerbe" der SS, S. 150.