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Ulrich Hägele
ÖZV LV/ 104
In der Schweiz hingegen kristallisierte sich eine Hand voll Fotografenheraus, in deren Arbeitsweise ebenfalls sozialdokumentarische An-klänge zu finden sind. Ihre Tätigkeit wurde freilich seitens der Regie-rung kaum angeregt oder gar unterstützt, sondern erfolgte auf eigeneInitiative, parallel zu den üblichen Aufträgen, die sie von Tageszei-tungen, den illustrierten Magazinen und Zeitschriften erhalten haben.Einer von ihnen war Ernst Brunner( 1901-1979). Beeinflußt von derFormensprache des Neuen Bauens und der Neuen Fotografie, erlang-te der gelernte Bauschreiner und spätere Hausforscher, nachdem erMitte der 30er Jahre arbeitslos geworden war, in Luzern Beschäfti-gung im Rahmen eines Inventarisierungsprogramms von Schweize-rischen Baudenkmälern. Als Autodidakt begann er dann 1936 eineKarriere als Fotoreporter bei den Züricher Illustrierten ,, SchweizerHeim" und ,, Schweizer Familie“. Währenddessen hatte sich in derSchweiz die politische und kulturelle Situation gewandelt. Warennoch zu Beginn der 1930er Jahren die Kulturschaffenden und Deu-tungseliten stark von der internationalistischen Ausstrahlung desBauhauses geprägt worden, begann nun im Zuge des sich in Deutsch-land etablierenden und immer aggressiver werdenden NS- Regimeseine verbreitete Hinwendung zu Themen, die sich mehr mit derSchweizerischen Heimat, mit Folklore, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und dem Lebendes einheimischen Hochälplers beschäftigten und weniger mit demBlick nach außen. Diese Entwicklung sollte sich nach Beginn desZweiten Weltkrieges noch verstärken, als das Land erhebliche An-strengungen unternahm, seine landwirtschaftliche Autarkie zu errei-chen. Die Heimat, das Leben der Bauern, die Berge, wurden zuIdentifikationskomponenten nationalen Ranges, die Kamera zurwichtigsten Erfüllungsgehilfin. Vor diesem Hintergrund müssen dieFotografien Ernst Brunners gesehen werden.
Brunner war ein Einzelgänger und Perfektionist, der für einenAuftrag mit seinem Fotoapparat tagelang in den abgelegenen Berg-tälern umherwandern und für eine Aufnahme stundenlang auf dengeeigneten Stand der Sonne warten konnte. Er lernte Arbeits- undLebensweisen der Menschen kennen, indem er diese immer wiederbesuchte und sich mit ihnen unterhielt. In Brunners fotografischemWerk spiegeln sich zwei dokumentarische Herangehensweisen wider.Einerseits ist es die rückwärtsgewandte, aber unprätentiöse Sichtwei-se auf die Scholle, auf Objektivationen der Volkskultur, auf diearbeitende Landbevölkerung:„, Seine Bilder verleiten immer wieder