2001, Heft 3
Volkskundliche Fotografie 1914 bis 1945
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genössische, Kunstfotografie', die vor allem mit wechselnden Per-spektiven, Licht- und Schatteneffekten oder Verzeichnungen ihreBildkompsitionen angereichert hätten. Für die volkskundliche Feld-forschung mit der Kamera stellte Kreidler eigene Kriterien auf:,, Durch die fotografische Aufnahme versucht man die gegenständli-che Erscheinung so festzuhalten, daß das Bild selbst schon einenwesentlichen Anteil an der wissenschaftlichen Bestandsaufnahmeausmacht und darüber hinaus in möglichst weitem Umfang einerwissenschaftlichen Deutung dienlich sein kann.“ 33 Das Neue anKreidlers Text war die Erkenntnis, daß die volkskundlich- wissen-schaftliche Fotografie möglichst wenig inszenieren solle. Folgerich-tig lehnte der Autor die zwar ästhetisch ansprechenden, aber zumeistgestellten und idyllisierenden Aufnahmen der in den 30er Jahrenpopulären Autorenfotografen Paul Wolff, Albert Renger- Patzsch,Erich Retzlaff, Hans Retzlaff und Erna Lendvai- Dirksen als untaug-lich ab: ,, Zweifellos wird das geschichtliche Bild der meisten Gegen-stände, mit denen sich die Volkskunde beschäftigt, durch das gegen-wärtige Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum verfälscht. Man findet Telegraphenstangen, Ei-senbahnlinien und-signale, Traktoren vor dem Pflug an Stelle vonOchsen oder Pferden, elektrische Straßenbeleuchtung und Dreschma-schinen, Fabrikschornsteine, neuzeitliche Haus- und Wirtschaftsge-räte, Kleider, Gebrauchsgegenstände, Autos, Fahrräder, neue Straßenusw., wo man hoffte, auch in der Anschauung unberührt geblieben zusein. Ist es aber besser, ein aus dem heutigen Leben entstandenes Bildzugunsten einer zweifelhaften Konstruktion nochmals zu verfälschenoder den Blick für die Wirklichkeit offenzuhalten? Gerade darin, wiesich Vergangenes mit Heutigem auseinandersetzt, scheinen uns we-sentliche Erkenntnismöglichkeiten zu liegen." 4 Die Hauptaufgabeder volkskundlichen Fotografie bestehe darin, die Lebensweise derMenschen und ihren Alltag so wie er sich dem Forscher darstelle,wiederzugeben. Hierzu solle man sich an das zu Fotografierende miteiner Serie von Aufnahmen herantasten, ohne Objekte oder Men-schen, etwa durch einen künstlichen Hintergrund, von ihrer Umge-bung zu isolieren. Kreidlers Ansatz entspricht einem Credo der Re-portagefotografie der späten 1920er Jahre, so wie er etwa von ErichSalomon ausgeführt worden war: möglichst authentische, also unge-
33 Ebd., S. 193.
34 Ebd., S. 194.