2001, Heft 2
Mitteilungen
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Natternwirbel nach dem genau vorgeschriebenen Ritual gewonnen wurde,darf jedoch angezweifelt werden. Weitverbreitet war der Glaube, die Schlan-ge würde die Milch der Kühe trinken und sie damit verderben. Im alpenlän-dischen Volksglauben sah man in der Schlange schlechthin alles Böse, dasman eben durch die Aufreihung ihrer ,, Gebeine" zu bannen suchte, in derArt>> seht her was mit euch geschieht, wenn ihr euch nähert«<. Kleine Klam-merin Patagonien werden noch heute erbeutete Füchse von den Gouchosan den Zaun als Mahnobjekte angehängt. Ähnliches versprach man sichwohl auch durch angenagelte Raubvögel, Fledermäuse oder Kröten an denStalltüren. 13 Für das Etschland sind derartige Bräuche nachgewiesen. 14
Die Verwendung von vier Fruchtbechern der Eichel, in denen unter-schiedliche Materialien eingefügt wurden, läßt sich nicht mit Bestimmtheitklären, legt aber die Vermutung nahe, daß man sich von ihnen- quasi alsbeständigeres Produkt der Eichenbäume im Analogiedenken ähnlichemagische Wirkung versprach, wie von den Eichen und vor allem von demEichenlaub selbst. Letzteres spielte sowohl bei der magischen, als auch bei
12 Andree- Eysn( wie Anm. 4), S. 141f.
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13 Vgl. hierzu Luh, Peter: s.v. Fledermaus. In: Reallexikon zur deutschen Kunstge-schichte( RDK) Lieferung 104-105, 1995/96, Sp. 980-1043, hier Sp. 1016,1028f. und 1042. Dort mit einer Radierung von Félix Bracquemond von 1865,die neben einer angenagelten Fledermaus auch eine Krähe und zwei Greifvögelan einem Holztor zeigt. Schon Plinius berichtete von der Fledermaus; so solleeine dreimal um das Haus getragene und über dem Eingang mit dem Kopf nachunten aufgehängte Fledermaus Böses bannen.
14 Vgl. hierzu: Zingerle, Ignaz V.: Sitten, Bräuche und Meinungen des TirolerVolkes. Innsbruck 1871. Geier, S. 79: ,, Wenn man einen Geier geschossen hat,soll man ihn mit ausgespreizten Flügeln an die Stallthüre nageln oder an einerhohen Stange befestigen und diese in der Nähe des Stalles aufrichten( Etsch-land); Kröte, S. 94: ,, Kröten werden an die Stallthüre genagelt, damit das Viehnicht vermeint werde( Burggrafenamt)". In diesem Zusammenhang sei auf eine,wenn auch umstrittene Veröffentlichung hingewiesen, die zumindest eine Füllevon Bildmaterial liefert: Fillipetti, Hervé/ Trotereau, Janine: Symboles et prati-ques rituelles dans la maison paysanne traditionelle. Paris 1978( dt. Ausgabe 1992unter dem Titel: Zauber, Riten und Symbole. Magisches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum im Volks-glauben). An einem Stallsegen des Bayerischen Nationalmuseums hängt auchein Teil eines Vogelflügels; andere zeigen Vogelkrallen oder Vogelkopffragmen-te. Mir liegt eine Photographie um 1910 vor, die zahlreiche angenagelte Raub-vögel an einem Scheunentor zeigt. Konkret dürften in erster Linie Geier, Mäu-sebussarde und Eulen für diese Zwecke angenagelt worden sein. Vgl. hierzuauch: Gattiker, Ernst u. Luise: Die Vögel im Volksglauben. Eine volkskundlicheSammlung aus verschiedenen europäischen Ländern von der Antike bis heute.Wiesbaden 1989, S. 475. Nachgewiesen für den Kreis Moers am Niederrhein imbeginnenden 20. Jahrhundert, aber auch für die Oberpfalz, wo ein solcher Brauchgegen Blitzeinschlag helfen sollte.