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ÖZV LV/ 104
Natternwirbel, Knochen, Zähne, Hufnägel, Münzen und andere amulettwer-tige Gegenstände zum Schutz für das Vieh- sogenannte ,, Stallbetn“, einerosenkranzähnliche Ansammlung allerlei schutzverheißender Objekte, dieman zusammen als Kompositamulett im Stall als Segen aufhängte, wurdenauch als Wenderketten bezeichnet.' Ähnliche Aneinanderreihungen vonAmuletten und anderen Abwehrmitteln finden sich bei den Fraisketten, ² dieman mit Amuletten und meist einem Breverl³ versah, um sie vornehmlich1 Vgl. hierzu Chmielewski- Hagius, Anita: Wenderkette. In: Söhnke, Lorenz( Hg.):Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten. Ausstellungskatalog desBadischen Landesmuseums. 2 Bde. Karlsruhe 1994. Bd. 1, S. 48-50, Kat.- Nrn.77 u. 78. Wender sind gewerbetreibende Heilkundige, die neben Naturheilmittelnauch zauberisch- magische Artikel aller Art anboten und damit scheinbar man-ches Übel zum Guten wenden konnten. Ähnliches kann für andere Amulette wieFraisketten oder Breverln vermutet werden, die von solchen Heilkundigen ver-trieben wurden. Die Erscheinungsform von Stallbetn dürfte wohl hauptsächlichim Alpenraum verbreitet gewesen sein.
2 Zu Fraisketten vgl. Kriss- Rettenbeck, Lenz: Bilder und Zeichen religiösen Volks-glaubens. München 1963, S. 48 und Kat.-Nr. 153; Hansmann, Liselotte, LenzKriss- Rettenbeck: Amulett und Talisman. Erscheinungsform und Geschichte.München 1966, S. 226, Kat.- Nrn. 750-756; Svoboda, Christa, Ernestine Hutter:Die Krippensammlung des Salzburger Museums Carolino Augusteum und Ab-wehrzauber und Gottvertrauen- Kleinodien Salzburger Volksfrömmigkeit. Salz-burg 1985, S. 241-247; Chmielewski- Hagius( wie Anm. 1), S. 50f. Nemec,Helmut: Zauberzeichen. Magie im volkstümlichen Bereich. Wien/ München1976, Kat.- Nrn. 40, 52, und 53 und passim. Vgl. auch: Buschinger, Alfred: EinRosenkranz aus Natternwirbeln. In: Salamandra 8( 1972), H. 3/4, S. 180–182.Er berichtet dort von einem Rosenkranz aus dem Vinschgau, wie sie wohl auchKapuzinermönche in Schlanders zu fertigen pflegten.
3 Zur neuesten Forschung über Breverln siehe Halbritter, Roland: SüdtirolerBreverln- Amulette zwischen Magie und Glaube? In: Der Schlern 72/1998, Heft1, S. 39–64. Schwangeren beispielsweise mit Breverln zur glücklichen Geburtzu verhelfen, läßt sich bereits in einer Handschrift aus der zweiten Hälfte des15. Jahrhunderts nachweisen, in der sog. Wolfsthurner HS.( AufbewahrungsortSüdtiroler Landesmuseum für Jagd und Fischerei Schloß Wolfsthurn in Mareit).Sie gibt auch etymologischen Aufschluß über den Gebrauch des Wortes ,, Bre-verl“ für derlei Amulettpäckchen, wenn dort ,,... schreib diese wort auff ainpriefel und heng ez dem menschen an den hals..." oder ,,... so schreib daz gepetund iren namen an ain prieff und leg es auf den nabel..." oder,... nem diesepuchstaben an ain prieflein geschriben..." zu lesen ist. Sie fand bereits mehrfachEingang in das Handwörterbuch des Aberglaubens( HDA) und wurde 1891 kurzvorgestellt, um seitdem unverständlicherweise nicht wieder behandelt zu werden,obwohl sie höchst Interessantes zum spätmittelalterlichen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Aber-glauben vermitteln kann. Vgl. hierzu auch Zingerle, Oswald v.: Segen undHeilmittel aus einer Wolfsthurner Handschrift des XV. Jahrhunderts. In: Zeit-schrift des Vereins für Volkskunde, Berlin 1891, S. 172–177 u. 315–324.