vier Raumviertel" mit sogenannter„ Diagonalstruktur" erweist sich nach Häh-nel ,, wahrscheinlich als eine mittelalterliche Novation( in einem Rauchofen-Wohnraum mindestens früh-, wenn nicht vorgeschichtlichen Alters)"( S. 335).Und wieder im Gegensatz zu diesen Rauchofen- Wohnräumen( Rauchstuben)erweise sich die„ oberdeutsche Stube" sowohl in ihren frühesten Belegen wieauch später ,, im Verlauf ihrer Expansion... zunächst als kein neuer( Haupt-)-Wohnraum, der einen älteren ablöst oder ersetzt, sondern als ein zusätzlicherSonderraum oder Sonderbau in einem bereits differenzierten Wohn- Raumgefüge"( S. 336). Ihr Ansehen resultierte in diesem Gefüge der Wohnräume also nach-gerade aus ihrer Exklusivität" bei relativ geringen Größenausmaßen( ebda.).Sehr zurecht hebt Hähnel dabei ausdrücklich hervor,„ daß es sich dabei nurum einen Strang( von Ref. gesperrt!) in der Entwicklungsgeschichte derStube handelt. Was an so benannten Räumen außerhalb des Wohnwesens desAdels und der Geistlichkeit in der Frühzeit vorhanden war, bleibt weitgehendim Dunkel"( S. 336). Es folgen nun Feststellungen des Verfassers zur ostalpinen,, Rauchstube"( ,, Seit wann sie den Namen Stube trägt und weshalb sie diesenNamen erhielt, darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen", S. 337!), zurosteuropäischen izba, zur altnord. stofa( ebda.), dann zur ostniederdeutschendornse( S. 337 ff.), zur exklusiveren oberdeutschen türnitz( S. 339 ff.) sowieeine umfassendere Belegauswertung zur„ Badstube"( S. 343-355), zu der er ab-schließend meint:„ Der Komfort römischer öffentlicher Bäder war in der mittel-alterlichen Stadt nicht realisierbar; Ansatzpunkt für den neuen Aufschwung desstädtischen Badewesens im Mittelalter war die primitivere Glossar ::: zum Glossareintrag primitivere SchwitzbadtechnikOst- und Nordeuropas. Sie bedurfte nur eines einfachen, einräumigen, ofenge-heizten Badegebäudes, und mit dessen Aufkommen ist die Übernahme der Raum-bezeichnung Stube auf das Bad in Verbindung zu bringen"( S. 355).
Das Fazit dieser neuen Aufschließung und Auswertung der Quellen er-bringt fürs erste eine merkliche Priorität der„ Stube"( Wohnstube) gegenüberderen Funktion als sonstiger Zusammenkunfts-, Arbeits- oder Aufenthaltsraum.Ihre primäre Bedeutung behält die Wohnstube auch im Verhältnis zur fast eben-so häufig und gleichzeitig auftretenden Badestube. Ihre Ausgangsform und früh-mittelalterliche Vulgärform bleibt jedoch„ weitgehend im Dunkel". Ebensobleibt aber auch weiterhin ungeklärt, wie und auf welchem Wege es etwa um1190 und anscheinend zuerst im äußersten Süden des deutschen Sprachraumes,nämlich in Südtirol( Umgebung Bozen), aber auch vermutlich in Kärntenhier gibt es einen eindeutigen Beleg von 1191( ,, in castro de Dietricstane instipa"), der Hähnel entgangen ist ¹), wie es also zu dieser Novation von rauch-freien Stuben auf den Burgen des Adels und bald auch in Häusern der Geistlich-keit und der Stadtbürger gekommen ist. Ich habe bereits vor Jahren in einemHamburger Vortrag darauf hingewiesen, daß gerade an dieser Zeitmarke nochvor 1200 der kritische Punkt in den Überlieferungssträngen der frühen Stuben-entwicklung zu liegen scheint. Man wird dabei deren Sachverhalte und-beständeauseinanderhalten müssen und vor allem viel eher mit selbständigen Stuben-bauten rechnen müssen. Besonders im Süden und im ostmitteleuropäischenRaum muß es sich so verhalten haben. An diesem Punkt also möchte ich eherArthur Haberlandt zustimmen und Hähnels Annahmen in Frage stellen 2).
Die Diskussion darüber ist freilich hier und im Rahmen dieser Anzeigevon Hähnels Buch nicht abzuführen. Auch was sonst bei ihm an historischenBelegen, Literatur oder Detailfragen zu diesem ganzen ersten Abschnitt zu er-
1) Siehe Arthur Haberlandt, Zur Kulturgeschichte der HausformenOberdeutschlands. In: Die Sachgüter der deutschen Volkskunde(= Jahrbuchfür historische Volkskunde 3/4). Berlin 1934, S. 25 und 31.
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2) Mon. Duc. Car. III nr. 1384.