Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
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induktiv und äußerst behutsam vor. Hier beruht alles auf Fakten und es gibtkeine Ideologie des Hauses", die vorgäbe oder vorschriebe, was nicht einfachdem Bautatbestand entspricht. So entsteht ein Bild der Entwicklung, der sichum so eher mit den historischen Bildbefunden und archäologischen Grabungs-ergebnissen in Verbindung bringen läßt.

Verfügbar sind dafür einzelne Baudenkmäler ab dem frühen 17. Jahr-hundert, historisches Bild- und Kartenmaterial( dieses seit 1561, 1595, 1603und später), dessen Quellenwert und Brauchbarkeit der Verfasser in einemeigenen Exkurs untersucht( Kap. IX), sowie die Grabungsergebnisse A. E. vanGiffens über die frühgeschichtlichen Wurtensiedlungen( niederländ. Terpen),insbesondere der Wurt von Ezinge. Dabei stellt L. Brandts Buys fest, daßdie friesischen Langhäuser an Zahl zunehmen und der Heuberg" sich ver-selbständigt, je weiter man in der Geschichte zurückgeht( S. 448, Abs. 0.0).Ebenso zeigt sich schon um 1560 das Verschwinden des Rauchlochs im Stroh-dach( ,, rookgat") und das Aufkommen von, schoorsteenen"( S. 450, Abs. 1.0).West- Friesland kannte also noch in der zweite Hälfte des 16. Jahrhundertsdas hallenartige open huis" ohne oder nur mit wenigen Raumabteilungen inaltertümlicher Holzbauweise( Flechtwände, Schildwalme, ohne Fenster usw.).Die Summe dieser Tatbestände ergibt ein Wohnstallhaus als durchgehendeHalle und Langhaus" mit 2x5 seitlichen und nach außen gekehrten Groß-viehboxen und mit einem bis ins Dach offenen Wohnraum mit zentraler Herd-stätte auf+10 Deck- oder Jochbalkengebinden und mit seitlichen Kübbungenund niedrigen( schräg abgestützten) Außenwänden. Der Heuberg" lag imFreien hinter dem stallseitigen Giebel mit Einfahrt( Abb. 613).

Da sich zwischen dieser von Brandts Buys rekonstruierten altfriesischenHausanlage und den Bauresten der Wurt von Ezinge, deren stratigraphischeFundschichten von 200 v. Chr. bis 200 n. Chr. zu datieren sind, nachgerade,, frappante Übereinstimmungen" ergeben( S. 460, Abs. 5.1), so dürfte sich derÜbergang von primitiveren Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiveren Vorformen und Hüttensiedlungen zum, Bauernhaus"dieses bekannten Grundtyps bereits vor den Frühanlagen dieser Wurtensied-lung, d. h. vor 200 v. Chr. vollzogen haben. Der Verfasser selbst meint dazu( S. 460): Wir vermögen demnach die alten Wurtensiedlungen( wie eben dievon Ezinge, d. Ref.) bereits als friesisch zu erkennen und lernen gleichzeitigdaraus, daß es in jener fernen Zeit einen Unterschied zwischen West- Friesen,Friesen und Ost- Friesen wahrscheinlich noch gar nicht gab. Ihr bedeutendesAlter( ± 200 v. Chr. bis ± 200 n. Chr.) zeigt, inwiefern hier eine kontinuier-liche Entwicklungslinie bis in das Altertum zurückführt; aber es zeigt auch,daß die frühen Phasen der Hausbauentwicklung nach ganz anderen und grö-Beren Zeitmaßen zu beurteilen sind als etwa die seit dem späten Mittelalter.

Das durch seine zahllosen bautechnischen Details besonders beachtens-werte Buch ist vorzüglich ausgestattet. Es besitzt eine Übersichtsliste zur Ge-schichte der Landgewinnung für das ,, Noorderkwartier der Provinz( mitKarte I bis II), ein Verzeichnis der wichtigsten Literatur, ein ausführlichesRegister zur ortsüblichen Bauterminologie mit Worterklärungen und Verweisenauf die betreffenden Textstellen( niederländisch) sowie fünf Spezialregister zuOrts- und Landschaftsnamen. Durch die Anwendung des DK- Leitzahlensystemsim Text sind besonders bei den z. T. farbigen Abbildungen vielfache Quer-verweise ausgiebig angebracht. Beim modernen Offsetdruck scheint es hierzu Unrichtigkeiten gekommen zu sein, die in einem Beiblatt korrigiert werden.Jedenfalls wird man die Stiftung für historische Bauernhausforschung" derNiederlande zu diesem großartigen Dokumentationswerk beglückwünschen unddem Verfasser für diesen bedeutenden Beitrag zur Hausforschung in Europa,für viele Neuerkenntnisse und für manchen neuen Weg( auch im Methodischen!)außerordentlich dankbar sein müssen.Oskar Moser( Graz)

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