Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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Zur weißen Maturafahne

Von Bertl Petrei

Anmerkung zu: Hermann Steininger, Studentisches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum anösterreichischen Mittelschulen( Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, BandXXVIII/ 77, Wien 1974, S. 198 ff.)

Steininger verweist in seinem Aufsatz nur zweimal kurz auf dieweiße Maturafahne, weil darüber schon mehrmals referiert" wordensei. Gerade deshalb mag aber eine ergänzende Mitteilung zu diesemThema nicht ohne Interesse sein:

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In Wien konnte ich in den letzten Jahren Einzelfälle von, Er-weiterungen" dieses Brauches( erste Hinweise gab mir Klaus Beitl)feststellen, in einem Fall auch photographisch festhalten: a) Die weißeFahne wird auch dann ausgehängt, wenn nicht alle bestandenhaben; in diesem Fall wird jeder Durchgefallene durch einen schwar-zen Querstreifen symbolisiert; b) Auszeichnungen( Vorzug) werdendurch einen großen goldenen"( meist gelben) Punkt oder Kreis kund-getan. Andererseits habe ich mich angeregt von Rudolf Gross'Dissertation über Ursprung und Wesen der Farbsymbole. in letzterZeit eingehender mit der Farbe als Brauchelement beschäftigt. Ausdiesen beiden Gründen habe ich 1973/74 einen Versuch mit Vor-tragsbesuchern im Burgenland( in 6 Orten) durchgeführt. Es handeltsich um 81 Personen( 35 weiblich, 46 männlich) verschiedener Alters-stufen ab 14 Jahren; 47 Versuchspersonen waren Absolventen oderSchüler einer mittleren oder höheren allgemeinbildenden oder berufs-bildenden Schule( was der von Steininger verwendeten früheren zu-sammenfassenden Bezeichnung Mittelschule" entsprechen dürfte).Jede Versuchsperson hatte Fragen zu beantworten, die auf einzelnengereichten Karten standen, und konnte auf der nachfolgenden Kartefeststellen, ob die Antwort richtig, teilweise richtig oder falsch war.Die Fragen bezogen sich auf die weiße Maturafahne, auf die erwähnten Erweiterungen"( die im Burgenland noch nicht aufgetreten sind);zuletzt auf eine angenommene End" form im Falle von ,, Durch-gefallenen" und Ausgezeichneten" in einer Klasse bzw. Schule.

Es ist schon recht interessant, daß in beiden Gruppen( die ich imfolgenden der Einfachheit halber Mittelschüler" und Nicht- Mittel-schüler nenne) gleich viele den Brauch kannten( 55 Prozent) und

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