Sprungstäbe und Stabsprung im nieder-ländischen und alpenländischen Jagd- undWeidebrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Weidebrauchtum des 16. Jahrhunderts
Zu Fragen des Bildinhaltes von Pieter Bruegel d. A. ,, Heimkehr der Herde" 1)( Herbst) und zu deren Bedeutung für Kunstwissenschaft, Volkskunde und Sport-geschichte.
( Mit 4 Abbildungen und 10 Strichzeichnungen)
Von Kurt Graẞhoff
Will man Genaueres als die Sporthistorie bisher bietet, über Ur-sprung und Entwicklung des sportlichen Stabhochspringens erfahren,so stößt man beim Nachsuchen im 16. Jahrhundert in den Alpen undin den Niederlanden auf Brauchformen aus der Arbeitswelt der Jägerund Hirten( Bauern). Den Anstoß, sich damit eingehender zu beschäf-tigen, gab eine falsche Deutung der Stangen, die von den beiden Hirtenin Bruegels genannten Gemälde benutzt wurden. Obwohl jene nurder vielfältigen Kleinwelt des Bildes angehören, haben Kunstwissen-schaft und Volkskunde bei dessen inhaltlicher Auswertung mehrfachum ihren Sinn gerechtet. Jedoch über das Bemühen hinausgehend, diehierbei aufgetretenen irrtümlichen Vorstellungen zu klären, soll dieUntersuchung Fragen beantworten, die sowohl Kunstgeschichte alsauch Volkskunde und Sportgeschichte angehen. Dabei handelt es sichvor allem für die beiden letzteren um die Aufhellung quellenkritischerMerkmale.
Ausgegangen wird vom Herbstbild Bruegels. Gerätselt wurde anihm über die an ihren unteren Enden so eigenartig geformten Stangender beiden Kuhhirten im Vordergrund des linken Bildteils. Haber-landt 2) spricht von dem Melker, welcher„ eine Kuh mit langemSpieß" antreibt,„ der rückwärts eine knaufartige Verdickung aufweist".In das gleiche Gerät des zweiten Hirten sieht er aber, von der Fiktionausgehend, dem Bild müsse ein ganz bestimmtes alpenländisches Er-
1) 1565, Wien, Kunsthistorisches Museum.
2) Haberlandt, A.: Das„ Herbstbild" oder„ Die Heimkehr der HerdePeter Bruegels d. A. In: Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde Tirols.( Schlern- Schriften), Festschrift zu Ehren Hermann Wopfners, 2. Teil, Innsbruck1948, S. 92 f.
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