Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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Chronik der Volkskunde

Vom Palais Schönborn in Wien ins Palais Lobkowitz in Prag.Volkstümliche Hauben und Hüte aus Österreich auf der Prager Burg.Bericht über eine Gastausstellung des Österreichischen Museums

für Volkskunde

Freundschaftliche Kontakte zu Fachkollegen aus den ehemaligen Ostblock-ländern hatte man, wenn man sie hatte, immer schon, denn Freundschaftenlassen sich durch eiserne Vorhänge nicht verhindern. Mit offiziellen Fachkon-takten war es vor den denkwürdigen Ereignissen im Osten zu Ende des Jahres1989 schon schwieriger. Da blieben manche Versuche bereits auf dem Weg derPlanung, spätestens aber auf dem langen Weg durch die Instanzen auf derStrecke. Einer Initiative im Jahr 1988 des damaligen Direktors des HistorischenMuseums am Prager Nationalmuseum und seinem Durchsetzungsvermögen beiden eigenen Behörden ist es zu verdanken, daß eine Ausstellung von Volks-kunst aus Böhmen und Mähren des Ethnographischen Museums am PragerNationalmuseum im Sommer 1989, also noch vor der Öffnung von Mauern undGrenzen, im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee hatte stattfinden kön-nen. Im Jahr darauf, also bereits in entspannter politischer Atmosphäre,erfolgte eine Gegeneinladung des Prager Nationalmuseums an das Österreichi-sche Museum für Volkskunde, welche dank der Unterstützung durch das Bun-desministerium für Wissenschaft und Forschung angenommen werden konnte.

Das Ethnographische Museum in Prag, welches im Gartenpalais Kinsky aufdem Petřín im 5. Prager Bezirk untergebracht ist, übernahm die örtliche Aus-stellungsdurchführung. Da das stark renovierungsbedürftige Palais Kinsky zurZeit für Ausstellungszwecke nicht benützbar ist, wurde für die österreichischeGastausstellung der prächtige Festsaal des Palais Lobkowitz auf der PragerBurg, welches zur Zeit das Historische Museum des Prager Nationalmuseumsbeherbergt, ausgewählt. Vom Palais Schönborn in Wien ins Palais Lobkowitzin Prag, formulierte Präsident Havels Kanzleichef Fürst Karl Schwarzenbergam Tag vor der Eröffnung pointiert. Was lange Zeit undenkbar war, ist plötzlichwieder möglich geworden.

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