Bericht über die ,, Dritten Spittaler Gespräche zu Volkskulturfragen"
in Schloß Porcia
Vom 15. bis 17. Juni fanden im Bezirksheimatmuseum Spittal an der Drau- SchloßPorcia- die ,, Dritten Spittaler Gespräche zu Volkskulturfragen“ statt. Fachwissen-schafter und Interessierte aus einigen österreichischen Bundesländern, Südtirol undBayern kamen, um über das Thema„ Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Brauchforschung heute“ zu refe-rieren und zu diskutieren.
Prof. Helmut Wulz/ Klagenfurt begann die Vortragsreihe mit seinem Referat ,, Zurmedialen Umsetzung von Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum im Fernsehen“. Anhand von einigen Videobei-spielen( wie Dreikönigssingen, Kufenstechen, Heuziehen, Osterfeuer) wurden dieProbleme bei Aufzeichnungen von Brauchabläufen dargelegt: Gefahren für den Ka-meramann und zu wenig verfügbare technische Geräte, dadurch sind Wiederholungenerforderlich und stören den Ablauf. Es folgten Statistiken über die Sozialstruktur derZuseher, die Publikumsfrequenz und den daraus resultierenden Stellenwert vonBrauchtumssendungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumssendungen beim ORF.
Univ.- Ass. Mag. Gertrud Benedikt/ Wien brachte in ihrem Referat„, Vom Nutzender Bräuche" interessante, theoretische Ansätze zur Einstufung von Brauch( for-schung) innerhalb der Geistesgeschichte. Die Bräuche wurden erst im 19. Jhdt. zudem, was man heute darunter versteht. G. Benedikt stellt in Frage, ob es möglich ist,nach dem Auseinanderfall eines Gesamtweltbildes und zunehmender Spezialisierung,ein diskursives System( wie das der Wissenschaft) auf ein nicht diskursives System( wie Mythos, Symbol und Brauch) anzuwenden. Es stellt sich die Frage, ob das Inter-esse an Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum ein Zeichen für den Verlust an Geschichte, Heimat und Sinnlich-keit darstellt. Für Volkskundler ist es unumgänglich, zu erkennen, daß bei der For-schung auch eigene Gefühle, Erfahrungen und Erinnerungen erkannt werden müssenund in die Analyse eingebracht werden sollten.
Ein Beispiel für eine möglichst flächendeckende Aufnahme von Bräuchen zeigt Dir.Dr. Paul Rachbauer/ Bregenz:„ Über die Zeitung zur Quelle. Die Aktion, Sitten undBräuche in Vorarlberg". Die ,, Vorarlberger Nachrichten" riefen- gemeinsam mit derRaiffeisenkasse als Sponsor- zum Sammeln und Aufschreiben von allen bekanntenBräuchen auf. Diese großangelegte Aktivität lief über zwei Jahre, und die besten Ein-sendungen wurden publiziert und von einer Jury mit Preisen ausgezeichnet. Trotz desvielen eingelangten Materials wird deutlich, daß solche Unternehmungen auch proble-matisch sind: z.B. Abhängigkeit von Sponsoren, die Aufmachung und Prämierung des,, besten" Brauches.
OR Dr. Werner Galler/ Wolkersdorf erläuterte in ,, Kirtag ohne Grenzen“, daß dieseFesttage im Waldviertel durchaus Entsprechungen im angrenzenden Böhmen haben.Schon vor dem Öffnen der Grenzen gab es Dorffreundschaften und gegenseitige Be-suche. Im Osten Niederösterreichs ähneln die Kirtage jenen im Burgenland und inSüdmähren sowie im Westen jenen in Oberösterreich und Bayern. Die Träger der Kir-tage sind z.T. Burschenschaften, sonst z.b. Sportvereine und Feuerwehr.
Unter dem Aspekt der„ Pädagogisierung des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums" hielt Dr. Willi Rainer/Klagenfurt seinen provokanten Vortrag„ Die Belebung des Toten“. Durch die starkeMaterialisierung und Institutionalisierung der Lebensweise der Menschen gingen In-
373