Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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Der, Feiertagschristus" als Mahnbild und

Quelle der Sachforschung*)

Zu zwei neuen Funden mittelalterlicher Freskenin Kärnten

( 6 Abb.)

Von Oskar Moser

In den jüngsten Dezennien hat sich die Volkskunde zunehmendvon einer wesentlich gegenwartsorientierten Volkslebensforschungzu einer historischen Sozial- und Kulturwissenschaft ausgeweitet.Das gilt für die komplexe Gesamtheit der von ihr betrachteten Kul-tursysteme, von denen wir uns im folgenden nur auf einen engbegrenzten Teilbereich, nämlich auf den der Arbeitswelt und Gerä-teforschung beschränken. Aus deren Perspektiven stellt sich mirdie Aufgabe unseres Themas.

Seine Problematik ergibt sich dabei aus den schwierigen Fragenum den faktischen Aussagewert von älteren Bildquellen gerade füreine derartige Sachforschung, zumal wenn diese noch dem Mittelalter angehören, für uns daher einen besonderen Quellenwert dar-stellen und andererseits infolge ihrer Zugehörigkeit zu einer völliganderen Zeitepoche nicht einfach kurzerhand mit den Realverhält-nissen unserer Gegenwart oder der jüngeren sogenannten Halbver-gangenheit gleichgesetzt werden können. Mit Recht mokiert sichdie moderne Mediävistik heute über die biederen Hirsebreihisto-riker" und erfordert die Auseinandersetzung mit der Welt des Mit-telalters eine neue Unzufriedenheit" im Sinne von GerhardJaritz². Während dabei die Mittelalterforschung zwangsläufig auchdas Feld neuzeitlicher Verhältnisse mit heranzieht, ist gerade dievolkskundliche Sachforschung mit zunehmendem Erfolg bemüht,

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