ihren Ausdruck gefunden haben, wie der berühmte Eustathios- Komplex. Es werdenaber ebenso viele volkskundliche Teilfragen angeschnitten, die in den Chronikenanklingen.
Der zweite Abschnitt ist den belletristischen Zeugnissen gewidmet oder, umgenauer zu sein, den Dokumenten in Form einiger Volksbücher, wie vor allem des„ Erotokrit“, der, aus Frankreich stammend, sich auf dem Umweg über italienischeund griechische Fassungen in Rumänien verselbständigt hat. Die Ausgangsversionist unter dem Titel„ Paris et Vienne“ bekannt. Ein besonders interessantes Kapiteldieses Teils bildet die Untersuchung der Abonnenten von Volksbüchern in Rumä-nien.
Die beiden letzten Abschnitte sind speziellen Studien zu einzelnen Fragen, wieetwa jener der Übersetzungsproblematik, gewidmet.
Insgesamt vereinigt der Band also etwas heterogene Elemente der Literatursozio-logie und der Volksliteraturforschung, und es fehlt ihm streng genommen ein zentra-ler Punkt, in welchem alles auf einen Nenner gebracht würde. Andererseits werdengerade in der Vielseitigkeit der Themen viele Fragen und Probleme behandelt, diein den herkömmlichen Publikationen der Forschung im Schatten gestanden sind. DieAutorin geht mit großer Akribie vor und deutet mit insgesamt 340 Fuẞnoten an, wases noch an weiteren Materialien gibt und wo diese zu finden sind.
Ein 15 Seiten umfassender Index erleichtert die Benutzung und Auswertung desgehaltvollen Bandes.
Felix Karlinger
Maria Jesús Lacarra( Hrsg.), Sendebar. Madrid, Ediciones Càtedra, 1989, 182Seiten.
Die im Mittelalter beliebte und verbreitete misogyne Sammlung von Geschichtenobigen( altspanischen) Namens läuft unter verschiedenen Titeln, wie Sindibad oderähnlichen Bezeichnungen. Wie so manche andere Quelle stammt auch diese aus demOrient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient, für dessen volkstümliche Erzählungen Spanien ein besonders aufnahmebe-reiter Boden gewesen ist. Die sprachliche und emotionale Synthese zwischen demArabischen und dem Spanischen konnte so nicht nur fremde Stoffe integrieren, diesich dann von Spanien aus weiter in Europa verbreiteten, sondern sie wurden sozusa-gen in Spanien europäisiert und oft nicht unbeträchtlich umgestaltet.
Auch beim Sendebar spürt man eine doppelte Assimilierung: einerseits in dievolkstümliche Sprache, andererseits in gewisse höfische Erzählmodelle. Bauerntumund Landadel rücken sich näher als in anderen abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischen Landschaften, unddie betonte Rollenhaftigkeit findet hier ihren eigenen Duktus.
Die Lebendigkeit der im Volksmund tradierten Sprache hat den Stil des Sendebarstark beeinflußt, wie umgekehrt die in dieser Sammlung verwendeten Motive auf dieVolkserzählung zurückgestrahlt haben. M. R. Lida de Malkiel ist dieser Frage in„, Elcuento popular y otros ensayos"( Buenos Aires 1976) nachgegangen.
Man hat der Herausgeberin zu danken, daß sie nun in einer sorgfältigen Ausgabediese Geschichte leichter zugänglich gemacht hat. In einem 50 Seiten starken Einlei-tungsteil hat sie sowohl den Forschungsstand zusammengefaßt als auch über die
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