Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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Das grundlegende( einst vierbändige) Werk über das Jahrlaufbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Jahrlaufbrauchtum der Slo-wenen, das Niko Kuret( geb. 1906) zwischen 1965-1971 in der Hermagoras- Gesell-schaft( Mohorjeva družba) zu Celje( Cilli) veröffentlicht hatte( vgl. m. RezensionÖZV N.S. XXVI, 1972, 158-160), erschien nun neuerlich auf zwei Großbändezusammengefügt und in bibliophiler Ausstattung 1989 zu Ljubljana/ Laibach. Schonim Geleitwort betont der Autor, der für die Erstausgabe zu Palermo mit dem Giu-seppe- Pitré- Preis ausgezeichnet worden war, daß auch bei den Slowenen dasBrauchtumsleben Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsleben einst reicher ausgeprägt war, daß es sich in der Gegenwart unterneuen Gegebenheiten stark wandelt, im Grunde aber doch Erbe der Vorfahrenbleibt und immer neu wächst. Demgemäß befasse sich die Volkskunde als Wissen-schaft heute nicht mehr ausschließlich oder vorwiegend mit bäuerlichem Erbe,sondern allgemein mit dem Lebensstil"( način života) aller Schichten der plurali-stisch aufgespalteten Bevölkerung. Ganz wie es die Brüder Grimm für ihr Wörter-buch" gedacht hatten, wünscht Niko Kuret sein Werk nicht nur als Materialsamm-lung und Untersuchung für die volkskundlich- kulturhistorische Wissenschaft, son-dern im Gegenteil als allgemein verständlichen und anreizenden Lesestoff für dasDaheim". Daher wohl auch der aufwendige, gemütbetonte und im, Heimatstil" derZeit zwischen den beiden Weltkriegen reizvolle, reiche Bilderschmuck mit den länd-lich- bäuerlichen Motiven und den unverwechselbaren Farben eines Maksim Gaspari( 1883-1980). Dessen Bildern aus dem Volksleben hatte ja Niko Kuret 1986 den Textzu einem Ausstellungskatalog( Gasparijeve razglednice"- Gaspari- Bildpostkar-ten) aus der Privatsammlung Marjan Marinšek im Kulturzentrum Ivan Napotnik zuTitovo Velenje( ehem. Wöllan in der historischen Untersteiermark) gewidmet.Auch in der neuen großformatigen Ausgabe sind jeweils Listen der Quellen undreiche weiterführende Anmerkungen, auf den neuesten Stand der Forschunggebracht, beigegeben. Jeder der beiden Bände ist für sich durch ein Sach-, Orts- undNamensregister von Helene Ložar- Podlogar sorgfältig erschlossen. Es bleibt nur derWunsch, daß es im Interesse einer vergleichenden Volkskunde im Mehrvölkerraumder Ostalpen, des pannonischen wie des mediterranen Raumes einander benachbar-ter, ja bedingender Volkskulturen auch zu einer deutschsprachigen Ausgabe des sobedeutsamen Werkes kommen möge.

Leopold Kretzenbacher

Andreina Nicoloso Ciceri, Tradizioni popolari in Friuli. Corredo illustrativodi Olivia Pellis. Reana del Rojale( Udine), Chiandetti Editore, 1983, II Edizione,vol. I/ II, 977 Seiten, zahlreiche Abb., in der Mehrzahl Farbfotos.

Der mehrfach gestaffelte Landschaftsraum zwischen der Adria und dem Grenz-kamm der Karnischen Alpen und zwischen der Livenza im Westen und dem Isonzoim Osten, das sind also die Provinzen Pordenone, Udine und Gorizia im NordostenItaliens, entspricht herkömmlicherweise der Provinz Friaul/ Friuli und wird in Italienheute meist als Friulanisch- Venetien bezeichnet. Von seinen 1,2 Millionen Einwoh-nern sprechen mehr als die Hälfte Friulanisch als ihre eigentliche Muttersprache, dieman hier meistens neben der italienischen Staatssprache als Umgangs- und Familien-sprache hört. Auch im südalpinen Berg- und Gebirgsland, der sogenannten, Car-nia", spricht man das Friulanische mit einer etwas anderen Aussprache, so etwa inden Orten Tolmezzo, Comegliáns oder Forni di Sopra. Verstreut eingelagert sind inschwerer zugänglichen Berglagen und Seitentälern auch alte slowenische und

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