Vom ,,- tum" in der Volkskunde
Von Andreas C. Bimmer
In der Geschichte der Volkskunde im deutschsprachigen Raumist sehr vielfältig und auch sehr unselig- mit Wortbildungen, dieauf ,, tum" enden, umgegangen worden: Volkstum, volkstümlich,Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und brauchtümlich sind wohl die bekanntesten und ver-breitetsten Formen, aber auch Deutschtum, urtümlich u. a. m.Wie bei vielen anderen Begriffen, die zugleich der Wissenschafts-wie auch der Alltags- und vor allem der politischen Sprache angehö-ren, vermischten sich die Bedeutungsnuancen zusehends, so daßmit der Verwendung der Begriffe immer weniger analytische Aus-sagen gemacht werden konnten. Vielmehr sollten die volks- ideolo-gischen Standortbestimmungen ausgedrückt werden. Dies trafsowohl national- bewegte wie auch völkisch gesinnte Epochen derVolkskunde.
Gerade in der Kritik der nationalsozialistischen Volkskundezunächst von den Wissenschaftsnachbarn-, aber dann auch ausdem Fach heraus, wurde der Hang zu den„, tümern“ und zur„ tüme-lei" neben dem Volks- Begriff als besonders fragwürdig herausge-stellt. Zu bekannt und oft zitiert sind die Äußerungen, als daß ichsie noch einmal ausführlich belegen und kommentieren muß, aberzur Erinnerung sei exemplarisch aufgeführt: Gleich nach 1945 hatteder Soziologe Heinz Maus mit seinem Aufsatz„ Zur Situation derdeutschen Volkskunde" die verbliebene und sich neu formierendeVolkskunde aufgerüttelt. Hier soll es nicht um einzelne seiner The-sen, nicht um ein erneutes Abwägen der Peuckertschen und ande-rer Antworten gehen, auch nicht um neue Informationen zu Hal-tungen weiterer bedeutender Volkskundler². Vielmehr möchte ichan Maus' Mahnungen erinnern, sich neben der grundsätzlichenUmorientierung gleichzeitig von einer überkommenen und ver-
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