Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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[ Peloponnes]"( S. 250-255; Erstveröffentlichung) und Nr. 25 Eine Sage im, Kreter'von P. Prevelakis( S. 256-259, ebenfalls noch unveröffentlicht). Von weiterrei-chender Bedeutung ist Nr. 26 Die Sage von der Wiederbelebung der gebratenenFische beim Fall von Konstantinopel"( S. 260-274; zuerst in Laografia 34, 1985/86,S. 44-57), eine Transformation eines apokryphen Motivs( ebenso Auffliegen desgebratenen Hahnes bei der Auferstehung), das der Verfasser schon in thrakischenVolksliedern feststellen konnte( im Jahrbuch des Forschungszentrums der griech.Laographie, 24, 1975/76, S. 3 ff.); das Wunderzeichen taucht schon im beliebtenAlexander- Roman auf.

Es folgen noch einige nichtgriechisch- sprachige Studien: Nr. 27 Neugriechischeund antike Erzählungen über den Betrug von Feinden durch eine List( S. 275-284;zuerst in den Byzantinisch- Neugriech. Jahrbüchern 21, 1971, S. 1-9), Nr. 28,, Élé-ments légendaires dans les récits concernant les lieux fortifiés"( S. 288-290), in Bul-letin des Internation. Burgeninstituts 15, 1980, S. 70-75) und Nr. 29 Aus dem Kreisder Polyphemsage in Griechenland( S. 291–296; zuerst im Band Antiker Mythosin unseren Märchen. Kassel 1984, S. 47-52). Es folgen noch Zusammenfassungenzu Nr. 7, 10, 15, 18, 19 und 23, ein Abkürzungsverzeichnis sowie ein Namens- undSachindex.

Der Sammelband gibt einen guten Überblick über Möglichkeiten und Methodender heutigen griechischen Sagenforschung, deren Ergebnisse im internationalenVergleich nicht immer gebührend anzutreffen sind; dabei ergeben sich gerade hier,in Motiven und Motivkombinationen, über die patrologischen, hagiographischenund synaxarischen Schriftengruppen unmittelbare Zusammenhänge mit dem grie-chischen Altertum. Diesen methodischen Ansatz der Kontinuitätsaufdeckung, demVerfolgen von z. T. verborgenen oder sich im schier unendlichen Quellenraum desbyzantinischen Schrifttums verlierenden Traditionssträngen, dem Nachzeichnen derVerformung und Umformung von Motivschemata im Gang der Tradierung hatImellos in seinen zahlreichen Forschungsarbeiten große Aufmerksamkeit geschenkt.Er erweist sich hier als ausgezeichneter Kenner des antiken Schrifttums, des Byzan-tinischen wie auch der Materialfülle( vor allem unveröffentlichter) neugriechischerQuellen zur Volkskunde. Mit Aufmerksamkeit wird man dem zweiten Band derReihe entgegensehen, der wahrscheinlich dem Volkslied gewidmet sein wird.

Walter Puchner

Traude Pillai Vetschera, Indische Märchen- Der Prinz aus der Mango-frucht. Kassel, Erich- Röth- Verlag, 1989, 220 Seiten.

Der indische Subkontinent galt seit jeher als Quellgebiet der Märchenströme',deren berühmteste Sammlungen, wie Pantschatantra, Katharatnakara und Şukasap-tati, nicht nur in vielen europäischen Übersetzungen vorliegen, sondern auch zahl-reiche Motive und Sinnzusammenhänge an die Oraltradition des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlandes ver-mittelt haben. Gegenüber diesen bekannten Quellen ist jedoch die Kenntnis derindischen Erzählpraxis unserer Tage in Mitteleuropa relativ bescheiden. Zwar gibtes einige französische und englische Ausgaben neuerer Märchen aus Indien, vondenen wir die letzte unlängst hier anzeigen konnten, aber in deutscher Sprache sindÜbersetzungen rar. Um so freudiger begrüßt man den vorliegenden Band, derGeschichten enthält, die bei den Bhil und Mina im Nordwesten Indiens gesammeltworden sind.

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