Von den norddeutschen, Schmachtlappen' über die westfälischen, Hungertücher'bis zu den Tiroler, Leichentüchern' reichen die Bezeichnungen für dieses Phänomen,von denen das, Hungertuch' sprichwörtlich geworden ist in der Formulierung, amHungertuch nagen', was schon Grimm als, am Hungertuch nähen' interpretierte. Mitder Bezeichnung Fastentuch wird zugleich der liturgische Bezug abgedeckt. Sörriesbemüht sich, die verschiedenen Aspekte, den frömmigkeitsgeschichtlichen, den reli-gionsgeschichtlich- theologischen, den kunsthistorischen und nicht zuletzt den volks-kundlichen herauszuarbeiten. Waren die Fastentücher einst im gesamten Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandverbreitet, so hat sich bis heute eine letzte geschlossene Gruppe von über 70 Fasten-tüchern im alpenländischen und angrenzenden alemannisch- oberdeutschen Raumerhalten. Der Autor hat fast alle Orte bereist und die meisten noch vorhandenenExemplare fotografiert, vermessen und eingehend beschrieben. Er stellt jeweils dieBilderfolge in einer Graphik dar und versucht eine kritische Beurteilung zu geben.Damit liegt ein nahezu vollständiger Katalog der alpenländischen Fastentücher vomSpätmittelalter bis zum Ende des Barock vor. In einem zweiten Teil arbeitet er sechsTypen von Fastentüchern heraus und geht auf ikonographische Probleme ein. Dabeiversucht er, vergleichend ikonographische Bezüge zum typologischen und heilsge-schichtlichen Bildprogramm der mittelalterlichen Kunst herzustellen und kommt zudem Ergebnis, daß die Ikonographie der Fastentücher letztlich aus den tradiertenKunstformen und theologischen Programmen abzuleiten ist. In einem abschließen-den Kapitel geht er auf die Theologie der Fastentücher ein. Die wertvolle und akribi-sche Darstellung und Untersuchung der Fastentücher ist als Habilitationsarbeit dertheologischen Fakultät Eichstädt vorgelegt worden. Es ist erfreulich, daß sie in dervorliegenden großzügig und ästhetisch ansprechenden Aufmachung im CarinthiaVerlag erscheinen konnte. Mit dieser Untersuchung ist auch für die Volkskunde einObjektbereich phänomenologisch, entwicklungsgeschichtlich und vergleichend auf-gearbeitet worden, der bisher nur am Rande wahrgenommen wurde, weil er gewis-sermaßen zwischen den Bereichen der( Stil-) Kunst und der Volkskunst angesiedeltzu sein schien.
Leander Petzoldt
M. L. Keller, Reclams Lexikon der Heiligen und biblischen Gestalten.Stuttgart, Reclam, 1987, 655 Seiten, Abb.
Bereits in der sechsten Auflage liegt dieses Lexikon der Heiligen und biblischenGestalten vor. Es bringt neben der vita bzw. historischen Hinweisen auf die jeweiligeGestalt vor allem kunsthistorische und ikonographische Erklärungen, die denZusammenhang zwischen Legende, Bibel und christlicher Ikonographie aufzuzeigenbemüht sind. Ein Verzeichnis der Fachausdrücke, der Attribute und ein Heiligenka-lender runden das handliche Büchlein ab. Die Literaturhinweise bei einzelnen Arti-keln machen einen mehr zufälligen Eindruck. Grundlegende Werke zur Textüberlie-ferung und Ikonographie werden am Schluß zusammengefaßt.
Leander Petzoldt
Aristeidis Nik. Dulaveras, I emmetri ekfora tu neoelliniku paroimiakulogu( Der versifizierte Ausdruck des neugriechischen Sprichworts). Athen,Eigenverlag, 1989, 332 Seiten, 19 statistische Tafeln im Text.
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