Mit zahlreichen Angaben( Bienenkorb, figuraler Bienenstock, Aberglauben)unterstützt der Verfasser die Theorie von Br. Schier( Der Bienenstand in Mittel-europa, Wiesbaden 1972), wonach man die vom Westen nach Osten vordringendenKulturströmungen in der Imkerei deutlich beobachten könne. Außerdem werden imBuch manche regionale, namentlich ungarische Eigenarten der Imkerei der Gömör-Gegend geschildert.
Béla Gunda
Zoltán Zsupos, Dél- Gömör gyüjtögetö gazdálkodása( Die Sammelwirt-schaft in Süd- Gömör)(= Volkskunde von Gömör, Nr. 10). Debrecen 1987,134 Seiten. Mit deutscher Zusammenfassung.
Infolge der Naturverhältnisse und der Überlieferungen bestehen bei verschiede-nen Karpatenvölkern noch Erinnerungen an die Sammelwirtschaft. So auch in Süd-Gömör, einem Gebiet nördlich des Bükk- Gebirges, teils auf ungarischem, teils aufslowakischem Territorium, wo der Verfasser im Kreise der ungarischen Bevölkerungdiesbezügliche Feldforschungen durchgeführt hat. Vielerlei Gewächse, wie Pilze,Blaubeeren, Himbeeren, Hagebutten, Weißdorn, Schlehen, Wildäpfel, Haselnüsse,Brennessel, Sauerampfer usw., werden für Ernährungszwecke gesammelt. Birken-saft gehört zu den Lieblingsgetränken der Dorfbewohner. Die Sammlerinnen rufenZauberwörter( Petrus, säe Pilze!) in den Wald hinein, damit sie möglichst viele Pilzesammeln können. Das Fleisch wird in Brennesselblätter eingelegt, damit es frischbleibt. Ausführlich werden die Pflanzen erörtert, die als Viehfutter, für Heilzweckeoder für die Heimindustrie gesammelt werden. Aus Holz werden verschiedeneGeräte hergestellt. Blaubeeren werden mit einem ähnlichen Riffler( ung. ref) gesam-melt wie in den Alpen. Mit einzelnen Pflanzen sind verschiedene volksglaubensmä-Bige Vorstellungen verbunden. So sind etwa die roten Flecken an den Blättern desPolygonum lapathifolium die Spuren der Menstruation der Muttergottes. Der Weiß-dorn bleibt deshalb so niedrig, weil er von der Heiligen Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau verflucht wurde,nachdem sie sich nicht darunter verstecken konnte. Gegen den bösen Blick hilft dasWaschen mit dem Sud der Stachys recta. An den niedergebogenen und am Bodenbefestigten Hollunder wird ein Zaubervers gerichtet, damit sich die Würmer aus denSchweinen und Kühen entfernen. Bemerkenswert ist der Tauschhandel, den dieDörfer untereinander mit verschiedenen Wildpflanzen treiben.
Das Buch ist ein vorzügliches Quellenwerk zur weiteren Untersuchung der Sam-melwirtschaft.
Béla Gunda
Éva Pócs, Magyar ráolvasások( Hungarian Incantations), 2 Bde. Budapest,Verlag der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften,1985-1986, 729 Seiten. Mit englischer Zusammenfassung.
Éva Pócs, Szem meglátott, sziv megvert( Vom Auge gesehen, vom Herzengestraft). Budapest, Helikon, 1986, 294 Seiten.
Wegen des engen Zusammenhanges zwischen den beiden Werken seien sie im fol-genden gemeinsam besprochen. Die erste Arbeit möchte eigentlich das Corpus derungarischen Zaubersprüche( Beschwörungen) sein. An Hand der verschiedenengeschriebenen und ungeschriebenen Quellen systematisierte die Verfasserin die
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