Seine Urheimat ist wahrscheinlich in Südostasien( S. 154). Die Domestikation istauch heute noch kein beendetes Experiment des Menschen. Von den Tieren undVögeln um die südamerikanischen Indianerhütten Glossar ::: zum Glossareintrag Indianerhütten nicht zu sprechen, war der halb-domestizierte Kranich auch in Europa bekannt( S. 74-79). Zur Domestikation tru-gen z. B. in Ostafrika( ebenso wie in Europa) die Wanderhandwerker nicht unerheb-lich bei( S. 33). Die Verbindung zwischen Hausformen und Gesellschaftsorganisa-tion( S. 71-74) hätte eine stärkere Betonung verdient, wie auch die wichtige Rolle,die die verschiedenen psychologischen Beschaffenheiten- extrovertierte und intro-vertierte Typen in der Weitergabe und Übernahme der Traditionen spielen( S. 240-244). In der Bibliographie des Stichwortes Feldforschung fehlt eine vorzüg-liche schwedische Arbeit( U. Vento, L. Honko usw., Fältarbetet; Helsingfors 1968),und beim Stichwort Wanderung wäre die Erwähnung des Buches von R. Numelin( The Wandering Spirit; Copenhagen- London 1936) angebracht gewesen. Schließ-lich hätten wir in der Reihe der Kurzbiographien der Ethnologen gerne auch dieNamen des Österreichers A. Haberlandt, des Schweden S. Erixon, der Finnen U. T.Sirelius und U. Harva sowie des Russen M. G. Levin gelesen.
Doch am umfassenden Wissensgut gemessen, welches dieser ausgezeichnete Banddem Leser darbietet, sind all diese„ Mängel" nichts als Kleinigkeiten.
Béla Gunda
Minas A. Alexiadis, I elliniki kai diethnis onomatologia tis laografias( Die griechische und internationale Namensgebung der Volkskunde). Athen,Kardamitsa, 1988, 76 Seiten( English summary).
Zum Anlaß des hundertjährigen Jubiläums der Einführung des Terminus„ Lao-graphia" für die Volkskunde in Griechenland durch Nikolaos Politis( 1884) hat deraußerordentliche Professor für Volkskunde an der Universität Ioannina dieses Büch-lein zusammengestellt. Der Terminus stammt ursprünglich aus alexandrinisch- helle-nistischer Zeit und wurde bei der Einhebung der Kopfsteuer verwendet. Politismünzte ihn auf die Beschreibung traditioneller Volkskultur und schuf damit( ,, Volks-beschreibung“) einen der international treffendsten Namensbegriffe für die Volks-kunde. Sein Schüler Stilpon Kyriakidis hat dann die klassische Kategorienbildung:geistiges Leben- gesellschaftliches Leben- materielles Leben vorgenommen.
Ein weiterer Abschitt( S. 19 ff.) gibt einen gedrängten Überblick über die interna-tionalen Definitionsversuche: Folklore, Volkskunde, tradizioni popolari( demolo-gia), Arts et traditions populaires, Ethnographie, Ethnologie, Folkminnesforskning,Regional European Ethnology, die in Ost- und Südosteuropa übliche Trennung vonEthnologie und Folklore( Textzeugen). In dieser Auflistung der Definitionsversuchewird noch tradition" diskutiert,„ oral tradition",„, traditionism",„, oral culture",,, Folk life" ,,, peasant studies“ und„ folk studies". Dafür sind eine Fülle von Nachwei-sen angebracht, die das international bestehende Begriffswirrwarr nur noch ernst-hafter erscheinen lassen.
In Griechenland wurde der Ausdruck„ Laographie“( S. 41 ff.) während der kultu-rellen Welle der Beschäftigung mit dem rezenten Provinzleben nach 1880, alsAbkehr von der historischen Romantik und Hinwendung zu bürgerlichem und bäu-erlichem Realismus( t. T. auch Naturalismus) von Nik. Politis gezielt eingeführt
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