dieser Studentenrevolution zu schreiben, dabei die Methode der,, Oral-“ und„ Visual History" zu verwenden.
Es versteht sich, daß ich bei diesem politischen Ereignis, an demich als Forschende unmittelbar teilgenommen habe, nicht immerden üblichen, vom Wissenschaftler gerade in der Volkskunde oftverlangten Abstand und die erforderliche Objektivität bewahrenkonnte. Ich gebe zu, daß ich auch ganz private Gründe hatte, dieStudenten, diese treibende Kraft, die die neue Geschichtsschrei-bung in der Tschechoslowakei eingeführt hat, zu besuchen. FürOlmütz entschied ich mich deswegen, da ich in dieser Stadt aufge-wachsen bin. Später studierte ich in Prag, bis ich meine neue Hei-mat in Österreich gefunden habe. So war für mich diese Reportageauch eine Art von persönlicher Vergangenheitsbewältigung. Nochheute erinnere ich mich an eine Szene auf dem Olmützer Haupt-platz, an dem verhängnisvollen 21. August 1968, wo sich damals,am späten Nachmittag, bei der barocken Pestsäule, ein einzigersowjetischer Panzer befand. Es herrschte totale Stille und nichtmehr als zwanzig Leute waren in den Hauseingängen und drei bisfünf langhaarige Jugendliche bei der Pestsäule zu sehen. Das ist dieProvinz, sagte ich mir und dachte an den Widerstand der Bevölke-rung in Prag und Brünn.
Diesmal war es anders. Auch in Olmütz wurde schon in derersten Woche nach dem 17. November 1989 heftig demonstriert.Als ich am Abend des 27. Novembers 1989( Tag des General-streiks) die Studenten bei der barocken Pestsäule zu der versam-melten Menschenmenge reden hörte, wurde mir der Ernst der Lagebewußt.
Die Zeit zwischen dem 17. und 27. November 1989
Die ersten Tage der Revolution waren für die Studenten am här-testen. ,, Sie sind nicht einmal essen gegangen, um auf dem Haupt-platz die Bevölkerung auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Eswar kalt, sie waren hungrig und haben viele Beschimpfungen sei-tens der Bevölkerung auf sich nehmen müssen, auch das Rektoratwar dagegen. Ihre Zähigkeit und Ausdauer war schließlich ent-scheidend. Das hätte ich mir nicht einmal träumen lassen, daß inden Kindern so etwas steckt, sie haben für uns gehandelt. MeinSohn hat mich angenehm überrascht. Ich bewundere ihn sehr“,erzählt mir der Vater eines Studenten auf der Mariahilfer Straße inWien.„ Wir haben sie die erste Woche im Stich gelassen", gibt dieMutter eines Mittelschülers, der sich auch sehr heftig an denDemonstrationen beteiligt hat, zu,„ wir haben Angst gehabt."
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