Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLV/ 94

angesichts der gegenwärtigen Entwicklung in Jugoslawien aber wiedereinmal feststellen, daß das, was im wissenschaftlichen Bereich mit Erfolgpraktiziert wurde und wird, die Grenzen des akademischen Bereichs nichtüberschritten und nicht zum allgemeinen Bewußtseinsgut geworden istsonst könnten egoistisch- nationalistische Politiker in den einzelnen Teilre-publiken nicht so handeln, wie sie es gegenwärtig tun und ein funktionie-rendes( wenn auch alles andere als ideales) Staatsgebilde in engstirnigerMythengläubigkeit zerschlagen.

Die Politiker haben die Lektion nicht gelernt, die Frau Bošković- Stulliihnen aufgegeben hat. Deswegen ist Frau Bošković- Stulli aber weder alsLehrerin noch als Wissenschaftlerin gescheitert, denn die Gruppe der ratio-nalen Argumenten oft nur schwer zugänglichen Politiker war nie ihr Ziel-publikum. Ihre Forderung nach Entmythifizierung der Volkskunde wirdnichtsdestoweniger Bestand haben, und gleiches gilt auch für ihre Konzep-tion der Folklore als dynamischer Prozeß, in deren Rahmen Gebilde unter-schiedlichster Ausdehnung interagieren. Sie hat uns gezeigt, wo die( orale)kroatische Volksliteratur in die jugoslawische Volksliteratur, diese in dieVolksliteratur des Balkans, Südosteuropas, Europas, ja der ganzen Welt sichin immer ausweitenden konzentrischen Kreisen integriert: Orale Volkslite-ratur ist ein essentiell menschliches Phänomen, und weil sie ihr wissen-schaftliches Werk dem Nachweis dieser Tatsache gewidmet hat, darf sie alseine der großen Humanistinnen der Gegenwart gelten.

Peter Wunderli

Hundert Jahre Skansen

Die 15. Tagung des Verbandes europäischer Freilichtmuseen inStockholm vom 1.- 7. September 1991

Im vergangenen September waren es genau hundert Jahre, seit sichSchweden mit der Idee von Arthur Hazelius( 1833-1901) und der Schaf-fung des Freilichtmuseums Skansen in Stockholm den europäischen Konti-nent wahrhaft kultur- und friedenstiftend erobert hat. Das denkwürdigeJubiläum bot der Stiftung Skansen in Stockholm den Anlaß, den 15. Kon-greß des Verbandes europäischer Freilichtmuseen nach Skandinavien ein-zuladen, der vom 1.- 7. September mit mehreren Besuchsschwerpunkten( Kopenhagen/ Lyngby- Hälsingborg- Lund- Stockholm- Julita- Linkö-ping) unter der nimmermüden Betreuung und Obsorge von Frau Dr. EvaNordenson, der Direktorin von Skansen, und deren aufopfernden Mitarbei-ter( inne) n stattfinden konnte.

Die Tagung wurde so nicht nur zu einem einmaligen Erlebnis, sondernvermittelte den weit über hundert Teilnehmern aus ganz Europa Erfahrun-