Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLV/ 94

registrieren und nachweisen zu können. Die Idee als solche spricht deutlichgenug für die Akzeptanz unseres Faches, wenn man sich auch manches nichtunwesentlich ergänzt und geklärt wünschen könnte. So etwa, daß der Vier-rutenberg mit Schiebedach, der um Arsié bis Feltre in den Südalpen nochheute barc" heißt und die Heuwirtschaft dieser Gegend deutlich kennzeich-net, eher langobardische Einflüsse aufweisen dürfte als die steilen Stroh-schaubendächer von Brenzeglio oberhalb des Comersees. Und diese wiedersollte man nicht ohne weiteres mit denen von Pican auf Istrien oder vonHeiligenbrunn an den burgenländischen Weinkellern in einen Topf werfen.Das Buch zeigt also sehr vieles und regt zu schauen an. Die Kulturgeschichteund die Volkskunde dazu müßten freilich erst noch geschrieben werden.Oskar Moser

Philippe JOUTARD, Olivier MAJASTRE( Red.), Imaginaires de la hautemontagne(= Documents d'ethnologie régionale, 9). Grenoble, Centre alpinet rhodanien d'ethnologie, 1987, 187 Seiten, Abb.

Alain CORBIN, Meereslust. Das Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendland und die Entdeckung derKüste 1750-1840. Berlin, Klaus Wagenbach, 1990, 414 Seiten, Abb.

Zwei Publikationen sind hier anzuzeigen, die sich mit der Entdeckungder Natur, mit der Entdeckung zweier extremer Landschaften beschäftigen.Zum einen ist es das Hochgebirge, genauer gesagt die Bergwelt des MontBlanc, zum anderen sind es die Meeresküsten, denen das Interesse derForscher gilt.

1786 waren es der cristallier Balmat und der Arzt Paccard aus Chamo-nix, die als erste den Gipfel des Mont Blanc erreichten, und im Jahr daraufwiederholte diese Tour ein Mann, der als Naturforscher und Erfinder meteo-rologischer Meßinstrumente in der Wissenschaft wohlbekannt ist: HoraceBénédicte de Saussure- übrigens der Urgroßvater des Linguisten Ferdinandde Saussure. Diese beiden Jubiläen wollte das Centre alpin et rhodaniend'ethnologie in Grenoble nicht vorbeigehen lassen, ohne daran zu erinnern,daß es diese Bergbesteigungen waren, welche die hochalpine Landschaftden Europäern endgültig bewußt machte, d.h. den Anfang setzten, die Alpenzum Spielfeld Europas" werden zu lassen. Während in frühen Veduten vonGenf und seiner Umgebung der Mont Blanc im Hintergrund nicht auf-scheint, gleichsam aus dem Bewußtsein und damit auch aus dem Blickgestrichen ist, taucht er im 18. Jahrhundert wieder auf, gewinnt an Bedeu-tung und wird vom bloßen Hintergrund zum Sujet selbst. Nicht nur dieBesteigung dieses Berges waren auslösend dafür, sondern auch die zahlrei-chen Darstellungen dieses Ereignisses, wie es Elisabeth Rabut und Marie-Christine Velozzi in ihrem Beitrag Images et imaginaire de la montagne"