Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

und räumt auch noch mit der Mythologen- Schule" auf( S. 27). Immerwieder widerlegt es weitverbreitete Mißverständnisse, die durch den Rück-lauf des akademischen Schriftgutes der letzten 200 Jahre entstanden sind: Die Brauchtumsträger Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumsträger haben nicht selten die Fiktion, in einer seit dergermanischen Völkerwanderung existierenden Traditionskette zu stehen,internalisiert zu neuem Selbstverständnis. Dieses kann zusammenfließenmit sektenhaftem Naturglauben unserer Tage...( S. 239)

In allem bleibt das Buch plausibel, verknüpft Wurzeln und heutigeErscheinungsformen in wohltuend sachlicher Weise. Der Autor enthält sichder Spekulation, seine Kritik ist nie polemisch. Brauch- Biographien wer-den nicht gewertet. Statt Brauch- Verfall zu beklagen, spricht WalterHartinger lieber von neuer Sinnstiftung, denn, sinnleeren' Brauch gibt eswohl nicht( S. 241). Es ist ihm wichtig, auf die Bedeutung von außerreli-giösen Sinngebungen im mitteleuropäischen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum" ausdrücklich hin-zuweisen. Er vertritt die Position eines beständigen Wandels der kulturellenFormen und Inhalte, die von den geistigen, wirtschaftlichen und politischenBedingungen der betreffenden Zeit abhängig sind. Fast keine Erscheinungist über eine größere Strecke hinweg mit sich selbst identisch, kongruent.Daraus folgt, daß mit der gleichzeitigen Existenz unterschiedlicher Sinn-schichten gerechnet werden muß... 1( S. 42) Je stärker sich ein Brauchändert, umso lebendiger ist er. Bräuche sind nichts Monolithisches, sondernbestehen aus Einzelelementen...

Solches kann man nicht oft genug schreiben und lesen, obwohl es eigent-lich auf der Hand liegt und längst allgemein bekannt sein sollte. Freilichsteht die Terminologie im Weg. Solange man Vokabel wie Sitte und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum verwendet, schwingt eine Reihe( belastender) Assoziationenmit: germanische, konservativ- katholische, ewig- gestrige etc. Solange aberkeine brauchbareren Begriffe gefunden werden, muß die Volkskunde gedul-dig Aufklärungsarbeit leisten. Das vorliegende Werk zählt zu den bestenaktuellen Beiträgen in diesem Bestreben.

Helga Maria Wolf

Ingo NEBEHAY, Robert WAGNER, Bibliographie AltösterreichischerAnsichtenwerke Aus Fünf Jahrhunderten. Die Monarchie in der topographi-schen Druckgraphik von der Schedel'schen Weltchronik bis zum Aufkommender Photographie. 2. Nachtrag A- Z mit weiteren Ergänzungen und Korrekturen.Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1991, 247 Seiten.

Alte topographische Ansichten besitzen heute wie ehedem einen hohenLiebhaberwert bei feinsinnigen Sammlern und darüberhinaus einen bedeu-tenden Informationsgehalt für den Forscher: während sich die einen an den