1992, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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Der Historiker S. Hölzl vermag dazu in seiner Hofgeschichte nachzuwei-sen, daß der„ Hanslerhof“ auf einen Urhof„ in dem dorffe“ zu Alpbach um1280 zurückgeht, der nach mehrfachen Hofteilungen um die Mitte des 17.Jahrhunderts mit„ eigenem Haus“ versehen wurde und zusammen mit einerSäge am Mühlbach 1666 in den Besitz der Familie Pletzacher gelangte, diesich als Landwirte und Tischler betätigte und Schöpfer der berühmtenAlpbacher Bauernmöbel wurde. So verbindet dieses Haus zugleich durchGenerationen die Beziehung zu einer Tiroler Künstlerfamilie, die nament-lich im 18. Jahrhundert durch ihren eigenen„ Alpbacher Malstil“ in derMöbelmalerei hervorgetreten ist.
Mit ihren außergewöhnlich schönen Abbildungen bringt damit dieseMonographie über den„ Hanslerhof“ aus Alpbach nicht nur ein typisches„ Berghaus“ des Tiroler Unterlandes dem Besucher näher, sondern läßt unsdessen ganze historische Bedeutung als ein besonderes kulturelles Ver-mächtnis nacherleben. Zu den nicht sehr vielen einläßlicheren Darstellun-gen über den Hausbau im Tiroler Unterland stellt sich Pöttlers wertvolleDokumentation in vergleichender Umschau als ein willkommener Beitragauch für die Hausforschung in Österreich.
Oskar Moser
Walter HARTINGER, Religion und Brauch. Darmstadt, Wissenschaftli-che Buchgesellschaft, 1992, 314 Seiten.
,, Religion und Brauch": ein ebenso oft gebrauchtes wie mißbrauchtesBegriffspaar. Walter Hartinger, Ordinarius für Volkskunde an der Universi-tät Passau und Vertreter der„ Münchner Schule“, wählte es trotzdem alsBuchtitel. Der komplexe Themenbereich stellte ihn zunächst vor ein„, Glie-derungs- Problem": Dem gängigen Muster von„ Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum im Jahreslauf"wollte der Autor nicht folgen. So entschied er sich,„ den wichtigsten Ein-fallsschneisen nachzugehen, auf denen religiöse Elemente im alltäglichenund festtäglichen Leben der Laien wirksam geworden sind“. Hartingerentfaltet das Thema in fünf Hauptkapiteln:„ Die Bezugsgrößen: Religionund Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum“,„ Liturgienahes Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum“,„ Sakramente und Brauch-tum Glossar ::: zum Glossareintrag tum" ,,, Geistliches Schauspiel- weltliche Spielbräuche“ und schließlich als,, beispielhafte Einzelelemente in Kult und Brauch“„ Brot“ und„ Wasser“. Indiesen Raster fügen sich religiöse Jahres- und Lebensbräuche ein, dazuAspekte wie die religiöse Bilderwelt oder der Rosenkranz. Schade, daß derAutor der Versuchung widerstanden hat, weitere beispielhafte Elementevorzustellen.
Erfreulich, daß er ebenso für seine FachkollegInnen schreibt wie fürallgemein interessierte LeserInnen. Das Werk bleibt seriös und verständlich