Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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1992, Heft 1

Chronik der Volkskunde

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solchen, die eine intime Beziehung zu der Stadt haben, eine Gruppe, diebesonders empfindlich und emotionell auf jegliche Modernisierungsversu-che reagiert, und den, Neuankömmlingen', die keine große Bindung zu derStadtstruktur entwickelt haben, zu erklären. Antagonismen, die in Bratislavadurch die politische Entwicklung während der totalitären Regime( 19391989) zuerst der faschistische Slowakische Staat, dann die kommunisti-sche Diktatur- gewisse spezifische Formen angenommen hatten. Aus Pre-stigegründen hat nämlich in Preßburg jedes neue Regime versucht, in denalten Stadtkern moderne repräsentative Bauten zu setzen, wobei die histo-rischen Häuser systematisch zerstört wurden. Die gesellschaftspolitischenÄnderungen waren auch mit Migrationswellen( aus der Stadt und in dieStadt) verbunden. Während des kommunistischen Regimes wurde etwa dieAltstadt systematisch entvölkert und die Altansässigen in die Wohnsilosnach Petržalka umgesiedelt. Erst in den 80er Jahren bildete sich in Bratislavaein Widerstand der Bevölkerung, und es gelang, den Kampf um die Erhal-tung des alten Stadtkernes in der Form der Slowakischen Vereinigung derNaturschützer" zu institutionalisieren. Über die Toleranz und Intoleranzam Beispiel Wiens in der Gegenwart" referierte Vera Mayer. Im ersten Teildes Referates versuchte die Referentin, diese Begriffe als philosophisch-psychologische Kategorien zu betrachten. Weiters analysierte sie verschie-denste Äußerungen und Wurzeln der Toleranz und Intoleranz im heutigenPrivat- und Gesellschaftsleben, vor allem die aktuellen Fragen der Bezie-hung der Wiener bzw. Österreicher zu den Ausländern und Minderheiten.

Im allgemeinen ist diese Arbeitstagung gerade in der heutigen Zeit, wodie verschiedenen Formen der Intoleranz nationaler Wahn, Ausländer-feindlichkeit, Rassenhaẞ usw.- sowohl in der westlichen Welt als auch inden neuen Demokratien des Ostens manchmal sehr aggressive und gefähr-liche Formen annehmen, als ein guter Ansatz zu bewerten und es wärewünschenswert, daß diese Problematik weiterhin verfolgt wird. Wie schonaus der anschließenden Diskussion über die eigentlichen Begriffe Toleranzund Intoleranz, ihre Ursachen und auch die oft sehr schwer feststellbareToleranzgrenze hervorging, wäre es aber vorteilhaft, diese Thematik inter-disziplinär unter Miteinbeziehung von Philosophen, Psychologen usw. zubehandeln.

Diese internationalen Arbeitsgespräche zeigten, wie wichtig und frucht-bar die Konfrontation der Erkenntnisse aus verschiedenen Städten Mittel-europas Brünn, Budapest, Prag, Preßburg, Warschau und Wien, für dasVerständnis unserer Geschichte, aber auch der Gegenwart ist. So erwähnteMilan Leščák, Direktor des Preßburger Institutes für Volkskunde, daß denTschechoslowaken bisher die historische Erfahrung mit Ausländerfeindlich-keit und den größeren Migrationswellen, wie sie etwa in Österreich bisherverlaufen sind, fehlt, es sei jedoch zu erwarten, daß es auch in der ČSFR zubestimmten Immigrationswellen kommen könnte. Im Anschluß an die Ta-