Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band XLVI/ 95, Wien 1992, 67- 99
Chronik der Volkskunde
Volkskunde und Völkerkunde auf denösterreichischen Historikertagen 1976- 1990Oder: Der Umgang der Volkskunde und der Völkerkundehierzulande miteinander
Interdisziplinarität der Wissenschaften ist angesagt. Dieser Anspruchbesteht vor allem für die Volkskunde als„ Integrationsfach“ mit seinenvielfältigen Berührungen zu anderen Disziplinen; und dies nicht erst heute,sondern, was die Ursprünge und die Entwicklungen des Faches besondersin Österreich betrifft, schon seit mehr als hundert Jahren, da die Volkskundenebst Völkerkunde, Prähistorie und Humanbiologie noch in der umfassen-den älteren Anthropologie gemeinsam beheimatet waren.' Gemeinsamkei-ten und Trennungen bezeichnen die Richtungen, die seither das wechselndeVerhältnis dieser Fächer untereinander kennzeichnen.
Einen Weg zu einander hat man vor mehr als vierzig Jahren eingeschla-gen, als in den Jahren des geistigen Neubeginns nach dem Zweiten Weltkriegin Österreich Volkskunde und Völkerkunde zusammen die Annäherung anden großen Fachbereich der Geschichtswissenschaften gesucht haben, wozudie Österreichischen Historikertage, die 1949 von dem damals gegründetenVerband österreichischer Geschichtsvereine inauguriert worden sind, einenäußeren Rahmen geboten haben.² Der Verein für Volkskunde in Wien befandsich damals unter den 18 Gründungsgesellschaften und übernahm die fach-liche und organisatorische Betreuung einer„ Sektion Historische Volks- undVölkerkunde“. In den Jahren 1949 bis 1973 hatte Leopold Schmidt in seinerEigenschaft als Vereinspräsident den Vorsitz dieser Sektion inne; darananschließend, 1974- 1990, Klaus Beitl in derselben Funktion.³ Nach sechsHistorikertagen( 1976- 1990) hat 1991 Franz Grieshofer, gegenwärtigGeneralsekretär des Vereins für Volkskunde, die Nachfolge angetreten. Ihmobliegt bereits die Programmvorbereitung für die Sektion„ HistorischeVolks- und Völkerkunde“ des 19. Österreichischen Historikertages 1992 inGraz.
Der Titel der Sektion„ Historische Volks- und Völkerkunde" läßt dieursprüngliche Absicht einer gemeinsamen Repräsentation der beiden ethno-und kulturhistorischen Fächer bei den Österreichischen Historikertagenerkennen, die aus welchen Gründen immer- jedoch erst anläßlich des 15.Österreichischen Historikertages 1981 in Salzburg vollständig realisiert