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Chronik der Volkskunde
ÖZV XLVII/ 96
Zauber der Masken
Eine Veranstaltung des Pädagogischen Zentrums fürKultur& Freizeit im Österreichischen Museum für Volkskunde fürdie Kinder im Rahmen des Sommerferienspiels der Stadt Wien
Im Laufe einer vielhundertjährigen Geschichte der Maske hat sie in ihrerVielfalt der verschiedenartigsten Materialien und Ausdrucksformen demMenschen die Möglichkeit geboten, ein anderer sein zu können, die Rolleeines anderen glaubwürdig mit all seinen Bewegungen und Merkmalenanzunehmen. In dieser Verfremdung ist jeder er selbst und ist es zugleichdoch nicht. In vielen Kulturkreisen war und ist die Maske wesentlicherBestandteil des Theaters, ihre Bedeutung im Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum ist bis heute invielen Landstrichen nicht verloren gegangen. Auch im pädagogischen Be-reich ist sie ein wichtiges Medium geworden, hilft sie doch erste Hemmun-gen überwinden und bietet eine ganz andere Form der Identifikation mitRollen.
Über den historischen Einstieg der Maskensammlung im Volkskundemu-seum sollte der ,, Zauber der Maske“ und die Wirkung der Maske als Ganzes,nämlich in ihrer Gesamtheit von Maske- Bewegung und Sprache erarbeitetwerden. Die vielfältige, sehr eindrucksvolle, aber auch sehr übersichtlicheMaskensammlung des Volkskundemuseums überstieg alle unsere Erwartungen,sie ,, verzauberte" in Kürze die Kinder und so manchen Erwachsenen.
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Es war erstaunlich zu erleben, wie dieser kleine geschichtliche Einstiegüber Masken seit wann gibt es Masken, wer verwendet Masken, wozu,wann, wo usw.?- das Interesse weckte. Immer wieder entdeckten die Kinderganz neue Details. Angesichts einer Maske von einer alten Frau tauchte dieFrage auf, wozu man solche Masken benötige, wo es doch genug alte Frauengäbe. Als ein Kind in die Rolle einer alten Frau schlüpfte und darauf begann,wie eine solche zu gehen und sich zu bewegen, wurde den Kindern bald klar,welche Verwandlung die Maske beim Menschen hervorrufen kann. DieFaszination der Maske begann zu wirken. Die meisten Kinder wußten dannsehr bald, welche Maske sie im Anschluß basteln wollten.
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Dazu waren im Garten des Museums in Zelten verschiedene Maskenate-liers eingerichtet worden, wo man die verschiedenen Maskentypen herstel-len konnte:
Papier- und Kartonmasken in Form von Ganz- oder Halbmasken. Hierentstanden vor allem an venezianischen Masken orientiert ganz herrli-che Vogelmasken und andere phantastische Ergebnisse.Collagierte Masken, aus verschiedenartigsten Grundmaterialien vonTextilien über Naturmaterial usw.
Gipsmasken, die über Tonmodel geformt und dann noch ausgestaltetwurden, nahmen meist zwei Tage in Anspruch.