Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
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1993, Heft 4

Bemalte Kästen aus dem Waldviertel

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Waldviertel auch mehrere bemalte Kästen aus dieser niederösterrei-chischen Kleinlandschaft. Diese sind aufgrund ihrer gesicherten Her-kunftsangaben für die volkskundliche Möbelforschung von Interesse,da Archive in vielen Regionalmuseen nicht vorhanden sind. DieKästen lassen den verhältnismäßig schlichten und regional eigenstän-digen Bemalungsstil mit vielfältigen Malereimotiven erkennen. Be-liebt waren gerade, nach oben gebrochene Gesimse, denen jedochnicht die Bedeutung eines lokalen Charakteristikums zuteil wird, dadiese Form auch in anderen Gegenden anzutreffen ist.

In den Inventarbüchern des Museums findet man unter den Eintra-gungen des Jahres 1939 den ersten Hinweis auf den Erwerb vonWaldviertler Möbelstücken. Zuvor war im Jahre 1938 die ,, Arbeits-gemeinschaft Waldviertel" gegründet worden, zu deren Aufgabenneben anthropologischen Forschungsarbeiten und heimatkundlichenErhebungen unter anderem auch die Aufsammlung von volkskundli-chen Objekten im Entsiedlungsgebiet des heutigen Truppenübungs-platzes Allentsteig gehörte. Vier bemalte Kästen aus den späterentsiedelten Ortschaften Kühbach, Äpfelgschwendt, Riegers undWurmbach kamen damals in das Österreichische Museum für Volks-kunde( ÖMV Inv.-Nr. 44.415-44.418).

Die Malereimotive und Abmessungen der Kästen sind dabei sehrunterschiedlich. Der zweiteilige Kasten mit nach oben gebrochenemGesimse aus Riegers ist reich mit floraler und ornamentaler Schablo-nenmalerei verziert. In die hellen Türfelder sind rote Eckornamenteund Blumensträuße gemalt. Die Beine sind pyramidenstumpfförmig,eine Form die im Waldviertel häufig vorkommt, vor allem bei Kästenmit nach oben gebrochenen Gesimsen. Beim Kasten aus Äpfel-gschwendt ist das Gesimse ebenfalls derartig gestaltet. Im Giebelfeldist die Jahreszahl ,, 1822" zu erkennen. Durch seine Konstruktions-form und Malereimotive läßt er sich in eine Gruppe WaldviertlerMöbel einordnen, die durch sehr ähnliche Bemalung und Gestalt dereinzelnen Objekte gekennzeichnet ist. Alle weisen Blumenvasen undflorale Motive von gleicher Art auf den Türfeldern auf. In die Gesim-sefelder sind größtenteils stilisierte Bäumchen und die Datierungen

7 Margot Schindler: Wegmüssen. Die Entsiedlung des Raumes Döllersheim( Nie-derösterreich) 1938-1942(= Veröffentlichungen des Österreichischen Museumsfür Volkskunde, Bd. 23). Wien 1988.

8 Leopold Schmidt: Bauernmöbel aus Süddeutschland, Österreich und derSchweiz. Wien, Hannover 1967, Abb. 103.