Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
349
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1993, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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ropa. Damit geben wir nur die Hauptkapitel wieder, die mehrfach unterglie-dert sind.

Es werden neben der Distribution und den sich ergebenden Übersetzungs-fragen vor allem auch die Rezeption behandelt. Großer Wert wird auf dieTexte als Spiegel der sich wandelnden Idiome( zumal in Bulgarien) gelegt,wobei sich interessante Ergebnisse- wie etwa im Verdrängen von Turzis-men ablesen lassen.

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Wichtig ist auch die Behandlung der Frage nach dem Weiterwirken derStoffe in der Volksüberlieferung.

Über 100 Seiten nehmen die Tafeln, Tabellen und Textauszüge ein, dieneben dem theoretischen Teil in sinnvoller Auswahl und Zusammenstellungdie praktische Seite demonstrieren.

Die Kopien der Titelseiten einiger dieser älteren Populärdrucke vermit-teln eine gute Vorstellung von diesem Typus und zeigen Parallelen undGegensätze etwa zu den ,, livres bleues".

So breit das Buch ausgefallen ist, so ist es doch dicht gedrängt vollMaterialien und deren Deutung, Einordnung unter historischen und volks-kundlichen Aspekten.

Felix Karlinger

E. Malkiel LÓPEZ, Mitos y ritos indianos. Rosario 1992. 84 Seiten.

Wertvoll an diesem schmalen Bändchen sind die Texte, wenn sie auchnicht die Originalform darstellen, sondern Übersetzungen bleiben. Dochmerkt man ihnen an, daß der Herausgeber des Bändchens Sprache undMilieu der erzählenden Indianer Glossar ::: zum Glossareintrag  Indianer gut kennen muß. Er hat diese Aufnahmenfreilich bereits vor zwei Jahrzehnten gemacht und betont in seinem Kom-mentar, daß sich an den Lebensumständen der Erzähler inzwischen vielgeändert habe.

Der Großteil der Geschichten besteht aus Tiermärchen und Fabeln, wobei,, normale" Tiere auch jenseitigen Tierwesen begegnen, die sich ihnen ge-genüber verschieden verhalten. Doch bleiben dämonische Gestalten eher inder Minderheit, die gutartigen Figuren überwiegen. So hilft etwa einmal einFisch und ein andermal ein Vogel einem vor dem Jaguar flüchtendenKleintier über einen Fluß.

Allerdings machen sich auch Einflüsse der europäischen Zivilisationbemerkbar, so ist etwa von einem Lastkraftwagen die Rede, wenn er auchkeine größere Rolle spielt.

Der Tausch der Requisiten zeigt am deutlichsten den Wandel der Umweltder Erzähler an, in der Phantasie jedoch geht man noch sehr eigene Wege.