Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVII/ 96

vor allemals ,, die Schicksalslandschaft der serbischen Nation" seit demVeitstag 1389 mit der, kosovska bitka, der immer neu mythisierten, fürjedes Schulkind als Glaubensgrundsatz geläufigen ,, Amselfeldschlacht".

Eine ,, Ethnographie des Krieges" ist hier also schon jetzt von kroatischerSeite her versucht und sie ist reich dokumentiert. Was soll hier noch miteiner mit Gewißheit zu erwartenden Stereotypie des Leidens und des Ster-benmüssens folgen? Nur die Namen der Betroffenen wechseln, die ,, Ge-walt" bleibt gleich. Gewiß, das ist Zeitgeschichte und wir in Österreichhatten bis in unsere Tage uns sehr um eine ,, Gegenwartsvolkskunde erfolg-reich bemüht. Aber es ist eben noch nicht ,, Geschichte, sondern beklem-mende Gegenwart und von keiner Seite ist ein ent- subjektivierender ,, Ab-stand" in dieses Wortes vielfältiger Bedeutung gerade auch für das Wissen-schaftliche zu erwarten. Wir alle warten bisher vergeblich...

Leopold Kretzenbacher

Paul W. ROTH, Soldatenheilige. Graz, Wien, Köln, Verlag Styria, 1993.155 Seiten, 15 Seiten Farb- und 25 Seiten SW- Abbildungen.

Paul Werner Roth, Historiker und Träger des Erzherzog- Johann- For-schungspreises 1992, hat in seinem reich bebilderten, liebenswerten Büch-lein über Soldatenheilige, das hier kurz angezeigt werden soll, eine ikono-graphische Bestandsaufnahme jener meist wenig bekannten Heiligen vor-gelegt, die uns auf den Bildwerken des christlichen Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlandes in Rüstungund Waffen entgegentreten. Auffallend groß ist die Anzahl von Heiligen,die als römische Legionäre, Offiziere und Beamte hier in lexikalischerReihenfolge vorgestellt werden. Fast alle mußten sie als Christen das Mar-tyrium erleiden und wurden deshalb als Bekenner und Blutzeugen verehrt.Viele von ihnen haben als ,, Volksheilige eine besondere Beliebtheit erfah-ren, wie etwa Florian, Georg, die ,, Wetterherren Johann und Paul, derPannonienheilige und spätere Bischof von Tours, Martinus, oder der pfeil-durchbohrte Sebastian, der dann als Pestheiliger zu großer Verehrung ge-langte. Aber auch Expeditus, der ,, Heilige der elften Stunde, wie er auchgerne genannt wird, der Helfer in ,, dringenden und verzweifelten Angele-genheiten" oder der in unseren Kirchen häufig dargestellte WetterheiligeDonatus finden Aufnahme, ebenso wie die hauptsächlich in der Ostkircheverehrten Heiligen Demetrius( mit einer in Österreich seltenen Darstellungauf einem Altarbild im burgenländischen Großwarasdorf), Menas, Sergiusund Bacchus. Über neunzig dieser Soldatenheiligen, die alle im Kalenderder römisch- katholischen Kirche stehen, werden kurz mit ihren Viten,