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Franz C. Lipp
ÖZV XLVII/ 96
Der erwähnten Veröffentlichung war bereits 1964 bis 1966 eineArbeit über die ,, Oberösterreichischen Stuben“ und eine repräsenta-tive Möbelausstellung mit mehr als 200 Objekten im neu eröffnetenSchloßmuseum in Linz vorausgegangen. Der dazugehörige Katalog,übrigens die erste Zusammenschau über oberösterreichische Bauern-möbel, könnte der Anlaß gewesen sein, daß mich der Ordinarius fürVolkskunde an der Universität Wien, Prof. Richard Wolfram, ermun-terte, ein einschlägiges Thema für eine Habilitation einzureichen.Diese ging 1967 über die Bühne und ich bekam die Lehrbefugnis fürVolkskunde von Mitteleuropa. Für meine Antrittsvorlesung und fürdie Vorlesungen der ersten zwei Semester wählte ich als Thema ,, Dieösterreichischen Kulturlandschaften, ihr System, ihre Problematik,ihre Abgrenzungen und ihre Gliederung in Formenlandschaften“. Esgab natürlich noch viele andere mir wichtig erscheinende Themen,die ich in den Vorlesungen behandelte, z.B. das Folklorismusproblemin Verbindung mit dem schwierigen Komplex der angewandtenVolkskunde und museologische Probleme in Beziehung zu den Frei-lichtmuseen. In der Verbindung solcher Vorlesungsthemen mit Exkur-sionen folgte ich nicht nur einem Zug der Zeit, sondern primär meinerÜberzeugung, daß der akustische Eindruck nach Möglichkeit vomoptischen unmittelbaren Eindruck ergänzt werden müsse.- Im Laufemeines Lebens habe ich wohl keinen Forschungsgegenstand derVolkskunde unberücksichtigt gelassen, ich darf hier an den ganzenKomplex der Volksheiligen, insbesondere den Hl. Wolfgang erinnern,nicht weil ich unbedingt ein„, Allround- Volkskundler" sein wollte,sondern weil ich es sein mußte und vor allem deshalb, weil michVolkslied, Schauspiel, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum, Volksglaube usw. nicht wenigerinteressierten als die dreidimensionalen Sachgüter, mit denen man esals Musealist meistens zu tun hat.
Für mein zweites ,, Standbein" muß ich zur Erklärung des ersten,des musealen Standbeines, ein bißchen in der Biographie ausholen.Nach Zwischenspielen als Lehrer wurde ich über Empfehlung vonProf. Geramb mit Beginn des Jahres 1939 an das OberösterreichischeLandesmuseum gerufen. Dem verlockenden Auftrag, dort die Volks-kunde von Grund auf zu etablieren, also gewissermaßen Neulandbetreten zu können, konnte ich nicht widerstehen. Die technischenVoraussetzungen wie Kanzlei, Telefon, Schreibkraft, waren nochnicht vorhanden, dennoch entschädigten das Gefühl, selbständig einegroße Sache in die Wege leiten zu können, und der jugendliche