Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVII/ 96

Für weitere Auflagen sind zwei Desiderate anzumelden: 1.) Die Klassi-fizierung nach Haupt- und Unterabschnitten stimmt z.T. zwischen Text undInhaltsverzeichnis nicht überein( z.B. sind Ausländersonntag und Tag deroffenen Tür im Rathaus[ beides Ende September] Hauptabschnitte, müßtenalso konsequenterweise im Inhaltsverzeichnis kursiv gesetzt werden), istaber auch im Text selbst stellenweise verbesserungsbedürftig( Beispiel:,, Die vorweihnachtliche Woche"[ S. 262] wäre ein Hauptabschnitt). 2.) EinLiteraturverzeichnis sollte man doch einfügen schon wegen der Füllezitierter Publikationen; diese werden nämlich in den Fußnoten nur bei derersten Nennung mit vollem Titel angeführt, weshalb der Leser immer wiederzurückblättern muß.

Aber das mögen Beckmessereien sein angesichts der Vorzüge diesesWerkes. Es bietet umfassende Information, und zwar auf dem neuestenStand. Es befaßt sich mit einer Großstadt, nicht das dreihundertste Mal mitdem ländlichen Raum. Und: Es eröffnet eine neue( zumindest vielen unge-wohnte), entkrampfte Sicht auf Brauch und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum,

Rudolf Pacik

Michael G. MERAKLIS, Studien zum griechischen Märchen. Eingelei-tet, übersetzt und bearbeitet von Walter Puchner(= Raabser Märchen- ReiheBand 9). Wien, Selbstverlag des Österreichischen Museums für Volkskunde,1992, 244 Seiten.

Das Buch stellt den raren Glücksfall dar, daß das hervorragende Werkeines führenden fremdsprachigen Gelehrten kongenial übersetzt worden ist.So, wie Meraklis mit der deutschen Volkskunde absolut vertraut ist, hatumgekehrt Puchner auch wie wenig andere eine tiefe Kenntnis der griechi-schen Materialien, ja darüber hinaus ein Gespür für die richtige Nuancierungbei der Übertragung der wissenschaftlichen wie der volkstümlichen Texte.

Den Lebenslauf von Meraklis skizziert Puchner in seiner Einleitung,worin er auch von den Studien und der Assistententätigkeit in Deutschlanddes heutigen Ordinarius für Volkskunde an der Universität Athen( alsNachfolger von Megas) berichtet.

Zu den Vorzügen des Bandes gehört, daß es über den vielen scharfsinni-gen Analysen von Märchenmotiven und grundlegenden Fragen der Erzähl-forschung nicht die Synthese schuldig bleibt, sondern daß neben demMosaik der Einzeluntersuchungen das große Gesamtbild der griechischenMärchenwelt ersteht. Ein solcher Überblick wird gleich mit dem erstenKapitel ,, Das griechische Märchen geboten; damit wird zugleich der Ein-stieg in die dann folgenden Spezialthemen- Byzantinisches Erzählgut,