Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
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1993, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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bei den katholischen und evangelischen Wiener Pfarren durchgeführt hat.Mit 96,7%( katholische) bzw. 91,3%( evangelische Gemeinden) war dieRücklaufquote erstaunlich hoch. Detailliert( nach einem rund 200teiligenRaster) wurden Bräuche im Jahreslauf erhoben, weiters ,, Gebets- und An-dachtsformen, Wallfahrten, Gruppen und Vereine,, Bräuche' in den Grup-pen, neue Bräuche, abgekommene Bräuche und ökumenische Aktionen"( S. 291).

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Die Darstellung( S. 17 289) folgt dem Kalenderjahr. Geordnet nachdem Datum, werden in rund 250 Abschnitten Festzeiten, Feiern, Bräuche,Antibräuche beschrieben, auch, soweit faßbar( d.h. ohne mythologischeSpekulation), deren Geschichte und deren Sinn erläutert. Für den kirchli-chen Bereich hat die Autorin ausgiebig theologische Literatur sowie dieamtlichen Liturgiebücher herangezogen. Ausführungen, die für den ganzenMonat oder Teile davon gelten, stehen jeweils an dessen Anfang. Ostern istnach dem frühestmöglichen Termin( 22. März) eingereiht, entsprechend dieübrigen beweglichen Feste.

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Der Anhang bringt eine zusammenfassende Auswertung( ,, Alte und neueBräuche in den Wiener Pfarrgemeinden; S. 291- 301) und listet die Tageauf Patrozinien, Heiligengedenken usw., die einzelne Wiener Pfarrenbesonders begehen( ,, Wiener Festkalender; S. 302- 307). Ein Register( S. 309 318) erschließt das Buch.

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Die Auswahl der behandelten Bräuche, aber auch Vorwort und Zusam-menfassung zeigen klar den Standpunkt, den die Autorin einnimmt. HelgaMaria Wolf hält sich an die realistische und offene Definition HermannBausingers( die sie einleitend, S. 6, zitiert):, Brauch ist äußerer Vollzugeiner überlieferten Form"( in allen Lebensbereichen), Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum ,, bewußtgepflegte Formen und Abzeichen von einzelnen Gruppen. Nicht nur Alt-hergebrachtes hat hier Platz, sondern ebenso verschiedenste neuere Gestal-tungselemente, gesellige und karitative Aktionen, kulturelle Veranstaltun-gen, spirituelle Angebote.( Die Grenze zwischen Alt und Neu verschwimmtohnehin, etwa wenn objektiv alte Bräuche revitalisiert werden. Und mancheneu eingeführte Zeichen oder Feiern gelten schon nach kurzer Zeit alstraditionell[ S. 291f.].) Sicher müssen Bräuche von ,, unten getragen wer-den, sie entstehen aber durch die Initiative einzelner Personen oder vonGruppen( oft, wenn auch nicht immer ,,, von oben): ,, Nichts kommt aus derVolksseele"( so die Überschrift S. 292). Bräuche als Ausdruck der Religio-sität haben gleichermaßen positive und negative Seiten: Sie helfen leben-vermitteln Geborgenheit und Heimat, bieten Freiräume der Eigenverantwor-tung und Spontaneität. Ebenso können sie aber Leben hemmen- wenn anTraditionen festgehalten wird, die aufgrund neuer Verhältnisse eigentlichfallen müßten, wenn man Peripheres überbetont, wenn die bloße Formwichtiger wird als der Inhalt.( ,, Braucht man Bräuche?", S. 297- 301.)