Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
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1993, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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Architektur, Stadt, Bühne und Ausstellung im Kontext zu sehen sind, undhier wird unter anderem mit überzeugenden Abbildungen belegt, wie dietechnische Innovation das Erscheinungsbild der Zivilisation und die Wahr-nehmung gleichermaßen verändern.

Der Band verdankt seine Deutlichkeit nicht zuletzt dem Mut, mit demSchivelbusch den Blick auf exemplarische Entwicklungen richtet. Daruntersind dann nicht nur die Marksteine, sondern auch die scheinbar unbedeutendenDetails vertreten( z.B. die Bedeutung des Jalousien- Schattens im klassischenSpielfilm): zusammen lassen sie die Anziehungskräfte sichtbar werden, diezwischen bestimmten Erscheinungsformen des elektrischen Lichts und denjeweils zeittypischen sublimen Lichtideologien bestanden und bestehen. Scha-de nur, daß in dieser Hinsicht das Kapitel zur christlichen und aufklärerischenLichtsymbolik allzu kurz ausfallen mußte und gerade die bis in die Gegenwartzu verfolgenden sakralen Lichttraditionen nicht näher thematisiert werden.Bernhard Tschofen

Martin SCHARFE( Hg.): Brauchforschung(= Wege der Forschung,Bd. 627). Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1991, 482 Seiten.

Es ist erfreulich, daß die Volkskunde, lange nach der Aufsatzsammlungvon Gerhard Lutz, nun offenbar verstärkt Teilbereiche des Faches durchgesammelte Wiederveröffentlichungen markanter Aufsätze überschaubarzugänglich macht und somit das( abermalige) Rezipieren anregt. NachHelge Gerndts Fach und Begriff, Volkskunde' in der Diskussion hat nunMartin Scharfe in derselben Reihe Aufsätze zu der trotz aller Ungunst derZeit nach wie vor wichtigsten Teildisziplin der Volkskunde, der Brauchfor-schung, zusammengestellt.

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Aus der Fülle der Abhandlungen, die sich aus dem gewählten Zeitab-schnitt 1945 bis 1982- angeboten haben, hat der Herausgeber sechzehnausgewählt. Er selbst stellt dem Band eine Einleitung voran, in der er diewichtigsten Aspekte der Brauchforschung im deutschsprachigen Raum seitdem Zweiten Weltkrieg rekapituliert, also die Entwicklung zu einer histo-risch ausgerichteten, quellenkritischen Analyse der Bräuche und das Anvi-sieren von Funktionsproblemen als zentraler Fragestellung erläutert.

Als Originalbeitrag folgt zum Schluß noch ein Aufsatz zum ,, Charivariund Rügebrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Rügebrauchtum in Deutschland von Ernst Hinrichs, in dem der Autorversucht, Hintergründe herauszuheben, die vom offiziellen, unmittelbaren,womöglich gar nur vorgeschobenen Anlaß verdeckt werden. Als Beispieldient ihm vor allem das Haberfeldtreiben in Oberbayern. Für andere Rüge-bräuche wären ähnliche Hintergründe wohl noch zu prüfen.

Das Problem, das sich bei derartigen Aufsatzsammlungen stellt, ist zuersteinmal immer, ob tatsächlich die wichtigsten Beiträge zum Thema zusam-