1994, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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rungswissen gestattet es, Natur als Natur wahrzunehmen, und erst dieAnerkennung einer gewissen von ihr ausgehenden normativen Komponenteermöglicht den politischen Naturvergleich: ,, Durch die semantische undoptische Nutzung und Besetzung der Landschaft ist diese gewiß überfrem-det und instrumentalisiert; aber mir scheint ebenso unausweichlich dieEinsicht, daß sie durch einen solchen Einsatz in ihrer Eigenkraft und ihremEigenrecht auch anerkannt ist“( S. 172).
Martin Warnke, kulturwissenschaftlich- ikonographisch argumentieren-der Kunsthistoriker, hat mit dem sich rein äußerlich vergleichsweise be-scheiden ausnehmenden Band eine sowohl durch Fragestellung und Metho-de als auch durch das Maß an dichtester Synthese erstaunliche Bereicherungfür das aktuelle Forschungsfeld einer Kulturgeschichte der Natur geliefert.Dem Buch sind große Verbreitung und produktive Rezeption zu wünschen.Bernhard Tschofen
Antónia BARATI, Péter SZUHAY( Hg.), Pictures of the History ofGipsies Glossar ::: zum Glossareintrag Gipsies in Hungary in the 20th Century. ,, World is a ladder, which some goup, some go down." Anthropological photo- album. Budapest, NéprajziMúzeum 1993, 365 Seiten, 736 Abb., in ungar. und engl. Sprache.
Die Roma sind 1993 in Österreich als Volksgruppe anerkannt worden. Siesind kulturell etwa im Romano Centro ausgesprochen rührig, versuchen anKlischees und Vorurteilen zu rütteln und werden im Minderheitenjahr 1994,so ist zu hoffen, eine zentrale Rolle innehaben. Im EthnographischenMuseum Schloß Kittsee fand letztes Jahr eine von der Öffentlichkeit wahr-genommene Ausstellung ,, Ich bin einen weiten Weg gegangen. Aus demLeben der Roma" statt. Eine Auseinandersetzung- historisch und gegen-wärtig- steht notwendigerweise an. Denn Pogrome und Diskriminierungender Roma drohen erneut. Die ersten Todesfälle in Ungarn, der Slowakei undRumänien müssen leider zur Kenntnis genommen werden. Umso wichtigerund gesellschaftspolitisch mutig dazu ist eine Ausstellung im BudapesterNéprajzi Múzeum unter dessen Direktor Tamás Hofer. Hier soll der inungarischer und englischer Sprache abgefaßte- und das sei gleich vorweg-genommen beeindruckende Katalog gewürdigt werden, dessen Motto,, Die Welt ist eine Leiter auf der manche hinauf- und manche hinunterstei-gen" für die Geschichte der Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner in Ungarn insgesamt gelten kann.
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Als ,, anthropologisches Photoalbum" angekündigt und mit einer klugenSeh- und Leseeinbegleitung versehen, bietet der Katalog mehrere Zugänge,die allesamt auch von unserem Umgang mit dem Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner – in Forschung,Politik und Alltag berichten. Mehr als 700 Photographien( die älteste
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