1994, Heft 2
Region Kultur- EG
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Die Komplexität des Problems wird dadurch deutlich, daß für beideAuffassungen die verheerende Entwicklung im ehemaligen Jugosla-wien als Beleg beansprucht werden kann. Hätte nicht eine frühzeitigeAnerkennung und Respektierung der regionalen kulturellen Vielfaltdie Konflikte entschärft? Ein ,, regionalistisches Angebot kann ver-hindern, daß die Regionen sich zu Staaten bewaffnen und aneinandergeraten“.52 Aber liegt dem politischen und militärischen Konfliktnicht gerade eine Verabsolutierung, kultureller Identität'53 zugrunde?Zumindest dort, wo fundamentalistische Vorstellungen in die Kultur-identität eingehen oder aus ihr abgeleitet werden, liegt der Ausbrucheiner bösartigen Ethnomanie, der„, Rückfall in die Ethnographie❝54
nahe.
Der Modernitätsvorsprung, der anderswo solche Entwicklungenverhindert, sollte aber nicht überschätzt werden. Die Gefahr, daß dasBewußtsein kultureller Einheit pathetisch zum Purifizierungswahngesteigert wird, besteht praktisch überall. Ironisch, aber mit ernstemHintersinn schreibt Robert Kurz: ,, Nicht mehr lange, dann werdensogar die Schweizer übereinander herfallen und sich gegenseitig zuDeutschen, Italienern, Zigeunern Glossary ::: show glossary-entry Zigeunern oder Außerirdischen erklären." 55Die Folgerung, die aus der ambivalenten Situation zu ziehen ist:Regionale Kulturen müssen anerkannt, aber ,, alle Kollektividentitä-ten" müssen ,, entpathetisiert“ werden.
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Zu einer solchen Entpathetisierung trägt es bei, wenn Regionalkul-turen nicht als ,, volkskundlich interessante Kulturbiotope", sondernals offene und lebendige Konfigurationen verstanden werden.57 Diesbedeutet einmal, daß moderne Entwicklungen nicht ausgeklammert52 Hermann Schwengel: Kulturpolitik und Modernisierungsstrategien in einer eu-ropäischen Kulturgesellschaft. In: Kulturpolitische Mitteilungen Nr. 56 I/ 1992,S. 2933; hier S. 32.
53 Vgl. Hermann Bausinger: Kulturelle Identität- Schlagwort und Wirklichkeit. In:H. Bausinger( Hg.): Ausländer- Inländer. Arbeitsmigration und kulturelle Iden-tität. Tübingen 1986, S. 141- 159; Daniel Cohn- Bendit, Thomas Schmid: Hei-mat Babylon. Das Wagnis der multikulturellen Demokratie. Hamburg 1992.54 Moritz Heimann hat davor 1918 gewarnt; vgl. Hartmut Jäckel: ,, Neuer Nationa-lismus“. Von Völkern, Nationen und Nationalstaaten. In: WZB- Mitteilungen 56,S. 33-36.
55 One World und Nationalismus. Warum der totale Weltmarkt die ethnische Bar-barei Glossary ::: show glossary-entry barei nicht verhindern kann. In: Blick nach vorn im Zorn- 500 Jahre Dominanzund Widerstand. Frankfurt 1992, S. 59- 61; hier S. 61.
56 Rudolf Burger( wie Anm. 51), S. 15.
57 Hazel Rosenstrauch( wie Anm. 48), S. 7.