1995, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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derwissen und seine stupende Quellenkenntnis in Komparation und Kollek-tion, wechselseitiger Erhellung und subtiler Problemstellung unter Beweiszu stellen und interdisziplinäre Fragestellungen des religiösen Bild- Den-kens neuen Lösungen zuzuführen bzw. neue Grundlagen für weitere zielge-richtete Forschung zu erstellen. Das Bildmotiv des erzverräterischen Fisch-diebstahls bei der Einsetzung der Eucharistie verführt geradezu zu weiterenRecherchen und Spekulationen. Auch weiterhin кaléç dvváμei!
Walter Puchner
DILG, Peter, Gundolf KEIL, Dietz- Rüdiger MOSER( Hg.), Rhythmusund Saisonalität. Kongreßakten des 5. Symposions des Mediävistenverban-des in Göttingen 1995. Sigmaringen, Jan Thorbecke Verlag 1995. S. 477,zahlreiche Abb.( auch mehrfarbig), Skizzen, Graphiken, Tabellen usw. imText und auf Taf.
Der stattliche und wohlausgestattete Aktenband des vom 15. bis18.3.1993 in Göttingen stattgefundenen 5. Symposions des Mediävistenver-bandes mit dem Rahmenthema ,, Rhythmus und Saisonalität“ umfaßt gei-stes- und naturwissenschaftliche Referate zum Thema: insgesamt 28, davonzwei Grundsatzreferate und sieben naturwissenschaftliche Referate( zurAnwendung naturwissenschaftlicher Methoden in der historischen For-schung) sowie 19 Referate, die zwei Themenkreisen gewidmet waren: ,, DieOrdnung der Zeit und die Zeit als ordnender Faktor“ und„, RhythmischeProzesse und Saisonalität in Bevölkerungsstruktur und Landesausbau“. Fastalle diese Beiträge dürfen in der einen oder anderen Form auch das Interesseder historischen Volkskunde beanspruchen. Der homo maedievalis lebt miteiner Vielfalt von Zeitbegriffen, die zwischen seiner kurzen durchschnittli-chen Lebenserwartung( vanitas) und der eschatologisch ausgerichteten,, Heilszeit“ einzuordnen sind; die neuen Formen absoluter Zeitmessung sindin die Alternität von persönlicher und sozialer Fest- und Alltagszeit einzu-bauen. Viel mehr als eine Aufzählung der Referattitel kann eine Rezensiondes umfangreichen Bandes nicht bringen.
Die Hauptreferate umfassen je ein naturwissenschaftliches und ein gei-steswissenschaftliches Thema: Gunther Hildebradt ,,, Rhythmus und Saiso-nalität als biologische Konstanten"( S. 13 ff.) und Jan- Dirk Müller ,,, Jahres-zeitenrhythmus als Kunstprinzip"( S. 29 ff., zu Jahreszeiten und Heortolo-gie in der deutschen höfischen Literatur). Die Einzelreferate der Sektion 1:,, Die Ordnung der Zeit und die Zeit als ordnender Faktor" umfaßt folgendeTitel: ,, Die Ordnung der Zeit durch den Schöpfer in der Patristik und in denfrühen lateinischen Hymnen“ von Fidel Rädle( S. 51 ff.),„, Die Zeit als