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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLIX/ 98
eine an Schweizer Vorbilder anschließende gründliche Darstellung sowohlihrer ausgeprägten materiellen Kultur wie auch ihrer rechtshistorischen undmündlichen Überlieferungen( Sagen, Lieder, Spiele) erarbeitet hat.
Man greift daher mit Interesse nach dem hübschen, reich und auch farbigbebilderten Foliobändchen von Tone Cevc über ,, Bohinj und seine Almen-Begegnung mit der Almwirtschaft und Almkultur in Slowenien“, das A.Angerer bearbeitet und übersetzt hat; es ist zuvor mit dem Titel ,, Bohinj innjegove planine" 1992 in Radovljica im Original erschienen. Hier wird demLeser zunächst die prächtige Alpinlandschaft um Wochein( Bohinj) mit demTriglav- Nationalpark von J. Bizjak vorgestellt, ferner über deren Siedlungs-geschichte allgemein referiert. Dann folgen in einem geographischen undhistorischen Aufriß die Almen und deren Bewirtschaftung sowie wieder sehreingehend und aufschlußreich die Almbauten und deren Betrieb. Auch hierfinden sich spezifische Besonderheiten schon in deren Anlage als aufgestän-derte ,, Hochhütten" und meist als Einraumgebäude mit steilem Scherenjoch-dach und Brettschindeln( S. 76- 97). Besonders vermerkt sei dabei, daß hierwie auch im vorigen Bereich der Velika planina noch die sehr altartige Firstlö-sung der sogenannten ,, Dachkappe“ vorkommt, nämlich die Firstbildung oben-auf mit einem rinnenförmig ausgehackten Rundbaum, die wir sonst in denOstalpen kaum mehr finden, die jedoch in Ost- und Nordeuropa ehemals einsehr typisches Abschlußglied im Dachbau gebildet hat und übrigens in Slowe-nien auch bei erneuerten Bauten übernommen wird².
Cevc bespricht weiters ausführlich auch das Leben auf den Almen( Sen-ner und Sennerin, Arbeiten, Käserei, Arbeitsgeräte, Behandlung von Vieh-krankheiten, Bekleidung, Kost, Freizeit, Frömmigkeit) und verweistschließlich auf das neu eingerichtete Almmuseum von Stara Fužina inWochein. Auch hier übrigens wird spürbar, daß man in der ForschungSloweniens seit langem und sehr aufmerksam diese besondere Welt derAlmsiedlungen und des Almlebens beachtet und betrieben hat( A. Melik,Anka Novak u.a.m.). Deren vielfältige und durchwegs eigengeprägte Kulturam Ostrand der Julischen Alpen im berühmten Reich des Zlatorog erscheintdamit neuerdings sehr ansprechend und gewissenhaft erfaßt und dargestellt.Oskar Moser
Anmerkungen
1 Solche echte Rundhütten mit volleingerichteter Wohnung und Stall von hoherPrimitivität Glossar ::: zum Glossareintrag Primitivität sind beispielsweise die sogen. ,, pallazas“ im Ancares- Gebirge Nord-westspaniens; vgl. Carlos Flores, Arquitectura popular española II, Madrid 1973,S. 462-464.
2 Dazu vgl. für Schweden und Skandinavien Sigurd Erixon, Takhuv och takkam.In: Zs. Fataburen 1938, S. 117 – 139; Wasmuths Lexikon der Baukunst II, Berlin1930, S. 478.