Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
Seite
340
Einzelbild herunterladen
 

340

Literatur der Volkskunde

ÖZV XLIX/ 98

tig abgebildeten Gegenwartsbräuchen im Gailtal. Daher auch der Ver-gleichswert gleichen Festanlasses bei ethnisch- sprachlich verschiedenenBevölkerungsstrukturen und einander ausschließenden oder beeinflussen-den Prägungen: die sprachlich gewundene, bewußt ,, umschreibende Ab-sicht der Brautwerber; die ,, falsche( häßliche, alte) und die richtige Braut;Geschenke, Kirchgang, Festmahl; das oft mit dem ,, Kranzl- Abtanzenverbundene Geldeinsammeln für das Brautpaar und seine- oft sehr be-trächtlichen Ausgaben, gelegentlich wie in der heutigen Südsteiermark( Juni 1995) mit neu sich ausbildenden Tanzformen zum Geldwurf in einenKorb oder auf den Boden.

-

-

Es zeigt sich hier wieder, daß es viel mehr an Quellen auch derNach- Aufklärungszeit zu unseren Gegenwartserscheinungen des Brauch-tumslebens Glossar ::: zum Glossareintrag tumslebens im Mehrsprachenraum der Ostalpen gibt als gemeinhin in derFülle gegenwärtiger Publikationen, allzu oft nur vom ,, Bildwirksamen" hergesehen und beachtet, und daß solch ein Buch zwischen Historie undGegenwart einer Volkskultur in sprachlich- ethnischen Mischgebieten sehrviel für eine kulturhistorische Vergleichende Volkskunde zu bieten hat.Leopold Kretzenbacher

ZIPPERLE, Andreas, Siegfried W. de RACHEWILTZ, Roberto TOGNI,Transumanza. Weideplätze wechseln. Bozen, Edition Sturzflüge und Inns-bruck, Edition Löwenzahn, 1994, 103 Seiten, 76 großteils farbige Abb.

Bildbände sind ein schwieriges Genre, sie in einem wissenschaftlichenOrgan zu besprechen, gemeinhin kein einfaches und auch nicht unumstrit-tenes Unterfangen. Auf den vorliegenden wohlkommentierten Fotobandnicht zumindest in aller Kürze- hinzuweisen, käme jedoch einer Unter-lassung gleich, zumal hier nicht durch Plakativität auf große Auflagengeschielt wird, sondern im bescheidenen Gewand ein Thema alpiner Kultur-geschichte in Text und Bild einem größeren Publikum bekannt gemachtwerden soll.

Kern des Bandes( die Aussage möge die Verfasser der wissenschaftlichenEssays nicht kränken) sind bestechende Photographien des Südtirolers An-dreas Zipperle. Nach einer Idee von Otmar Graf Thun hat er Schafe undHirten auf ihren Weidegängen begleitet: im Martell- und Langtauferertal, inden Höhen des Schnals- und Grödentales und in den Dolomiten in derGegend um Tiers. Zipperle ist nicht mit dem Anspruch, eine ethnographischeDokumentation zu liefern, angetreten, diesen Eindruck vermitteln zumindestdie Photographien, sondern hat mit subjektivem Blick eine Stimmung einzu-fangen versucht, die sich durch noch so treffende Beschreibungen wohl