Jahrgang 
98 (1995) / N.S. 49
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Elfriede Grabner

ÖZV XLIX/ 98

weiteren Karmeliternonnen über Alt- Bunzlau nach Prag, das sie am1. September erreichen. Ihr erster Weg führt sie in die Klosterkircheder Karmeliter- Patres auf der Kleinseiten, um dort das, gnaden-reiche Jesu- Kindlein, heute als sog., Prager Jesulein( Abb. 1) 5bekannt, zu verehren und sich dann in das ,, für sie erkaufte Haus,das neugegründete Karmelitinnenkloster St. Joseph in der Kleinstadt,unter dem Hradschin, zu begeben.

Maria Electa a Jesu ,,, die ehrwürdige und heiligmäßige MutterOberin", wie sie oft genannt wird, stiftete nicht nur die Klöster derKarmelitinnen zu Graz und Prag, sondern sie war auch Mitstifterineines gleichen Ordensklosters in Wien. Sie starb am 11. Jänner 1663im 58. Lebensjahr zu Prag. Ihr noch unversehrter Leib wurde aufeinem Thronsessel sitzend den andächtigen Verehrern im Kloster St.Joseph in Prag auf Verlangen gezeigt. Ihre Verehrung erlangte beson-ders im 18. Jahrhundert große Bedeutung, wie eine Reihe von Kup-ferstichen davon Zeugnis gibt. So etwa jener vom Prager Kupferste-cher Johann Balzer( 1738 bis 1799), der die Stifterin sowohl alsLebende als auch als Tote auf einem Sessel sitzend darstellt( Abb. 2).6Der Text unter den beiden ovalen, zwischen Blumengirlanden einge-fügten Bildern lautet:

Wahre Abbildung V: M: MARIAE ELECTAE von JESU, Stiffterindes Closters derer baarfüßigen Carmeliterinnen zu Gratz, und Pragmit stiffterin zu Wienn, geboren von Adelichen Eltern zu Terni inUmbria den 7. Jenner 1605, berühmt in allen Tugenden forderist inder Demuth, gehorsamb und Eyffrigster Liebe gegen Gott, mit alge-meinen Ruff der Heiligkeit, seelig verschieden in Prag den 11. Jenner1663. ihres alters 58. und des ordens 37. Jahrs alwo ihr Jungfräuli-cher Leib in angenehmen geruch annoch unverwesen ist. S. R. M.MARIAE THERESIAE Hungaria et Bohemia Regina, Archi- duci

nis mit einem Christusbild zum Eintritt ins Kloster bewogen wurde. Vgl. dazu:Elfriede Grabner: Ein steirisches Fastnachtsmirakel. Zur Geschichte eines GrazerKultbildes in der Franziskanerkirche zwischen Legende und Wirklichkeit. In:Zeitschrift d. Hist. Vereines f. Steiermark 80( 1989), S. 141 165.

5 Kupferstich des Augsburger Stechers Johann Andreas Pfeffel( 1674- 1748) ausder Sammlung Kurz- Thurn- Goldenstein im Steirischen Volkskundemuseum,Graz, 15 x 9,5 cm, Hochformat. Über die aus Spanien stammende Kultstatue,die 1628 dem Prager Karmeliterkloster geschenkt wurde und deren Verehrungvgl: B. Rothemund, J. Pucket: Gnadenreiche Jesulein. Jesukindwallfahrtsorte.Entstehung Geschichte- Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum. Autenried 1982, S. 82-91.

6 Steirisches Volkskundemuseum, Inv. Nr. 17.591, 12 x 15 cm( Querformat).