Volume 
99 (1996) / N.S. 50
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59
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band L/ 99, Wien 1996, 59-82

Das Fastentuch von 1640 des

Österreichischen Museums für Volkskunde.I. Zur Bedeutung und Restaurierung im Rahmen derFastentücher Österreichs

Von Manfred Koller

Im Frühjahr 1996 wird das im Bildfeld der Himmelfahrt Mariä mitH.A.M. 1640 bezeichnete große Fastentuch des Museums nach Jah-ren langer, durch den Museumsumbau und die Restaurierung in denAmtswerkstätten des Bundesdenkmalamtes bedingter Abwesenheitwieder ausgestellt. Es ist mit seinen 36 Szenen auf 32 Bildflächeaus dem Alten und Neuen Testament eines der späten und gut erhal-tenen Beispiele dieses seit der Gotik mit Denkmalen belegten kirch-lichen Fastenbrauchtums Glossary ::: show glossary-entry  Fastenbrauchtums. Als monumentale Bilderbibel zeigt es fürseine Gattung eindrucksvoll die Vielschichtigkeit religiöser Volks-kunst als Mittel mancherorts noch lebendiger Traditionen, für dieReligions- und Kunstgeschichte, Volkskunde, Denkmalpflege undhistorische Technologie Interesse und Verpflichtungen tragen.'

Darstellung und Komposition

Inhaltlich gibt diese in sechs Zeilen zu je sechs gleichgroßen Einzel-bildern angeordnete Bilderbibel das Heilsgeschehen in acht alttesta-mentarischen Szenen von der Schaffung Adams bis zur OpferungIsaaks wieder, gefolgt von sieben Szenen aus der KindheitsgeschichteChristi( von der Verkündigung bis zum zwölfjährigen Jesus vor denSchriftgelehrten), drei Bildern über Christi Wundertaten und seine

1 Die grundlegende Literatur zum Fastentuchproblem entstand erst in den letzten15 Jahren: Emminghaus, J. H.: Fastentuch. In: Reallexikon zur deutschen Kunst-geschichte, Bd. VII. Stuttgart 1981, Sp. 826- 848. Sörries, R.: Die alpenländi-schen Fastentücher. Klagenfurt 1988.