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Manfred Koller
ÖZV L/ 99
tenbefund von mindestens 5 Übermalungen dokumentiert, letztlichaber nur der Letztbestand gereinigt, konserviert und farbig ergänzt.Am kompliziertesten erwiesen sich die gebrochenen Wachsköpfewiederherzustellen. Bei der Nestelbacher Gruppe konnten falsch ver-klebte Brüche wieder eingerichtet und die Fugen verkittet und einge-tönt werden. Ferner wurde der Gewichtsdruck der Holzkrone übereine tiefer verankerte Metallarmierung abgeleitet. Bei der FreisingerMadonna aus Obern hat die Wachsbildhauerin Rita Furrer die fehlen-de linke Gesichtshälfte in Gips nachmodelliert und die fehlendenTeile als dünnwandigen Wachsguß mit einer nach Farbe und Transpa-renz ähnlichen Wachsmischung ergänzt. Neugekaufte Glasaugenwurden hier wie vordem mit Wachs eingesetzt und die Tönung derHautfarbe lasierend an den Bestand angepaẞt. Bei Verlust der echtenHaare haben wir auf verfälschende Ergänzungen bewußt verzichtet. Dervom Brüsseler Restaurierinstitut veröffentlichte Restaurierbericht einerin ihrer Vielfalt vergleichbaren belgischen Madonnenfigur des Rokokobestätigt im Vergleich die hier beschriebene Arbeitsweise 53.
Die genannten Restaurierbeispiele aus Österreich bleiben zwarnach wie vor als Teile der Ausstattung in historischen Sakralräumenintegriert, doch werden sie nicht oder nur mehr sehr eingeschränkt fürden Gebrauch in Prozessionen oder Kulthandlungen beansprucht.Ihre Wirkung ist damit auf ihre kultbildhafte Präsenz und die Schön-heit von Darstellung und Material beschränkt. Nach strengen metho-dischen Maßstäben der Denkmalpflege und Restaurierung unlösbarsind Fälle wie der der gotischen stehenden Madonna mit Kind aus derPfarrkirche von Enns- Lorch, OÖ, wo die Entfernung der Barockin-szenierung nur mehr einen kahlen Kopf und entstellte Schulterberei-che zurückgelassen hat. Mit einer Leinwandfaltenkaschierung wurdeversucht, die Statue durch Ergänzung der Schleierform wieder aufzu-werten, um die Verluststelle nicht zum optischen Ärgernis oderMiẞverständnis für uninformierte Betrachter werden zu lassen. Soerfreuen uns bekleidete sakrale Bildwerke einerseits noch heute inihrer naiven oder modisch- verspielten Vergegenwärtigung des Heili-genhimmels und führen zum anderen aber auch die Brüche derGeschichte im religiösen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum in Gestalt von Klitterungen,Mißbildungen und Verlusten vor Augen.
53 Allard, D.( Hg.): S.O.S. Polychromies. Ausstellungskatalog Musée des ArtsAnciens Namurois. Namur 1995, S. 105-108 mit Abb.