Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
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Literatur der Volkskunde

ÖZV L/ 99

Jugend niedergeschrieben; eine Publikation war nicht ihre Absicht. Sieerzählt ihre Arbeit als Kind, das sich getrieben von der Notwendigkeit derArmut daheim ebenso wie die Geschwister im benachbarten ,, Schwaben-land" verdingen mußte; als Heranwachsende in der heimatlichen Vorarlber-ger Umgebung; als junge Frau schließlich und hier enden leider diepublizierten Aufzeichnungen- in der Schweiz.

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Wer mit der Lektüre beginnt, den läßt sie bis zur letzten Seite nicht mehrlos. Zweifellos ist dies dem Talent der Autorin zu verdanken, die mit derMariage von Inhalt( en) und Form( en) umzugehen wußte. Aber auch dieBefriedigung wird hier im Spiel sein angesichts der Überwindung dermühseligen Lebensverhältnisse in der Vergangenheit, die mit zum Schönen,zum Loslassen von Schmerzlichem beiträgt. Sie nährt sowohl die Erinne-rung der Aufzeichnenden als auch, in der Neigung der Leserin/ des Lesers,die Liebe zum Vergangenen und die Wissenschaften davon.

Denn wir erfahren viel von Dingen, Verhältnissen und Ereignissen, dienicht mehr sind. Vom Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum( wie man in der Schweiz sagt), von denSpinnstuben etwa, dem Funkensonntag, Ostern und Weihnachten, von Ge-pflogenheiten bei Geburt und Tod. Regina Lamperts Bericht ist eine volks-kundliche Fundgrube an Alltagsschilderungen. Den LeserInnen werdennicht nur Worte und Gesten vergangener Situationen eindrücklich vor Augengeführt, sondern in ganz erstaunlicher Weise auch Träume und ästhetischeLandschaftswahrnehmungen- wobei letztere in gesellschaftlicher Reprä-sentation und wissenschaftlicher Anschauung recht einhellig bürgerlichzweckenthobener Betrachtung zugeschrieben werden. Große Aufmerksam-keit erfährt die Beschreibung von Zeiten und Wegen- einem Thema, das zueiner volkskundlichen Dissertation herausfordern müßte. Mit noch größererAufmerksamkeit( und der akribischen eines Jeremias Gotthelf) schildertRegina Lampert Mahlzeiten und Nahrung. Nicht nur von der Bedeutung vonEssenspausen und Nahrungsmitteln im Gesindealltag und Arbeitsvertrag,ihrer Menge und Kombination sowie dem alltagskulturellen Umgang damiterfahren wir, im Text können auch Hunger und Freude oder Lust am Essenmitgelesen werden. Ein aufschlußreiches Zeugnis für die Nahrungsvolks-kunde sind die, Trinkszenen', der Genuß von Schnaps, Wein, Most, Bier oderMilch, der hier nicht( wie in Wissenschaft und allgemeiner Rede) nach Alterund Geschlecht geschieden ist: Die Weinflasche ist ebenso im Proviantkorbder Schwabenkinder wie Bier oder Schnaps in den Gläsern der Frauen.

Die LeserInnen erhalten Einblicke in das groß- und kleinbäuerlicheArbeitsjahr in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit detaillierter undnie langweiliger Anschaulichkeit werden alltägliche Gesten und Verrichtun-gen beschrieben( so etwa die, Gänsewirtschaft) und der Umgang der Men-schen miteinander; Erfahrungen des Kindes und der Jugendlichen im Gutenwie im Bösen, von der Güte und Freundlichkeit, die ihr zuteil wurden, aber