392
Oliva Wiebel- Fanderl
ÖZV LVI/ 105
Platz für 250 Zuschauer. Unter den Ehrengästen des ersten offiziellenSalzburger Adventsingens im Jahre 1950 befanden sich nach denMeldungen des Salzburger Volksblatts vom 4. Dezember 1950 Lan-deshauptmann Dr. Josef Klaus und Erbprinz Albrecht von Bayern.Dieser Hinweis ist ein Beispiel dafür, daß das Adventsingen seitAnbeginn von Besuchern aus fast allen sozialen Milieus angenom-men wurde und das Haus Wittelsbach mit seiner bekannten Wert-schätzung der Volksmusik hier vermutlich auch eine Leitbildfunktionhatte.⁹
Im Jahre 1950 wurde von Sepp Dengg¹ der Salzburger Volks-liedchor gegründet, der bis in die Gegenwart die Aufführungen we-sentlich prägt. Nicht mehr wegzudenken vom Adventsingen sindseitdem Lieder wie ,, Jetzt fangen wir zum Singen an“ ,,, Es mag netfinster werden“ oder„ ,, Immer wenn es Weihnacht wird" und alskrönender Abschluß der Andachtsjodler, in den die Besucher bei derWiederholung, vielfach mit Tränen in den Augen, bewegt einfallen.Bereichert wurden die musikalischen Darstellungen durch den Auf-tritt von Brauchtumsgestalten Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsgestalten, wie beispielsweise den PinzgauerTresterern. Das Szenario zeigt die Absicht der Pflege von Brauchund Emotionsgedächtnis.
Im Jahre 1951 hatte Tobi Reiser d.Ä. den Einfall zum SalzburgerHirtenspiel, das bis heute ein unverzichtbarer, heftig beklatschterProgrammpunkt des Adventsingens geblieben ist. 12 Die Hirtenbuben,die Salzburger Tracht tragen und in Mundart sprechen, müssen sichauf das Musizieren verstehen. Denn sie bringen dem Jesuskind imStall, im Unterschied zu anderen alpenländischen Hirtenspielen,nicht nur Butter, Käse oder sonstige Naturalien mit, sondern auchMusik.13 Dazu gehört etwa das ,, Paschen“ eines typischen Innviertler
9 Die Mitwirkenden kamen in der Folge nicht nur aus der Umgebung von Salzburg.Mit dem Vortrag von Texten, der in Riedering am Simssee lebenden AnnetteThoma, einer bekannten Pflegerin des geistlichen Volksliedes, wurde eine Brückenach Bayern geschlagen.
10 Reiser( wie Anm. 4), S. 19. Dengg stammte aus einer Lehrerdynastie, die dasVolkslied seit Generationen pflegte. Er suchte geeignetes Liedgut für die Auffüh-
rungen.
11 Vorgeführt von der Perchtentanzgruppe der Alpinia sowie kleinen Spielszenen derAnklöpfler und den Hirtenbuben, die damals Sternsing- Kinder genannt wurden.12 Reiser( wie Anm. 4), S. 21.
13 Hier zeigt sich ein Zusammenhang mit der alten Volksweisheit: ,, Wo es singt undklingt, da laẞ dich fröhlich nieder."