2002, Heft 1 Die Tramperbewegung in Böhmen, Mähren und der Slowakei
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Vorstellung des Ausbruchs aus dem normierten Gesellschaftslebenund Arbeitsalltag suchte man im auf ,, Böhmens Haine und Fluren"projizierten ,, Wilden Westen“. Offen bleibt dabei allerdings die Fra-ge, warum sich gerade in der Tschechoslowakei als einzigem euro-päischen Land diese Bewegung etabliert hat als ein kulturellesUnikat, für das es bis jetzt keine schlüssige Erklärung gibt. Schließ-lich waren die Lebensbedingungen- insbesondere die der proletari-schen Schichten in Wien, Berlin, Prag oder Brünn durchaus ver-gleichbar; aus allen diesen Städten sind Hunderttausende in die USAausgewandert, überall war Amerika als Land der Zukunft mit allerleipositiven Konnotationen verbunden; Jack London und vor allem KarlMay sind in vielen europäischen Ländern bekannt und beliebt gewe-sen; und überall auch hat das Genre der Western- Filme diese roman-tisierenden Projektionen zusätzlich verstärkt. Dennoch und trotz alldieser offensichtlichen Parallelen ist es nur in Böhmen und Mährenund später dann auch in der Slowakei zur Herausbildung des Phä-nomens der Tramperbewegung gekommen.
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Die wichtigste Grundlage der Tramperbewegung als Subkultur undsoziale( vor allem breite Schichten der Jugendlichen erfassende)Bewegung waren aber zweifellos jene( gleichfalls romantische) Ein-stellungen zur Natur, als deren wichtigster Vorläufer E. T. Seton gilt.Seton hatte 1902 die Bewegung Woodcraft Indians gegründet, diesich die Lebensweisen der Indianer Glossar ::: zum Glossareintrag Indianer zum Vorbild nahm und sehrschnell in Europa Verbreitung fand. In England etwa nahm R. Baden-Powell die Ideen der Woodcrafters auf, formte sie in organisatorischerwie ideologischer Hinsicht unter Einführung strenger Vorschriftenund klarer Hierarchien um und rief 1906 die Bewegung der BoyScouts mit dem Ziel ins Leben, Buben zu aufrechten Bürgern( undSoldaten) zu erziehen. In den böhmischen Ländern machte A. B.Svojsík diese Bewegung 1912 populär, gab das Handbuch Českýskaut( ,, Der tschechische Scout“) heraus und gründete die tschechi-sche Pfadfinderorganisation. Doch viele jener bereits älteren Jugend-lichen, vor allem jene, die vom Erlebnis des Krieges geprägt waren,konnten und wollten sich mit den militaristischen Strukturen derPfadfinderbewegung nicht abfinden und gingen nach ihren eigenen
Deutschen, die, wie gesagt, diese Entwicklung nicht mitmachten, fühlten sie sichdoch als Kriegsverlierer und waren so gegenüber dem ehemaligen KriegsgegnerUSA zunächst äußerst reserviert und jenseits jedweder amerikafreundlicherOrientierung.