Aufsatz in einer Zeitschrift 
Reflexionen zum Fach : zur Situation der Europäischen Ethnologie/Empirischen Kulturwissenschaft in Österreich
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ÖZV, LXXVI/ 125, 2022, Heft 2

meiner Warte nicht stand. Damit meine ich nicht die Adaptierungdes Begriffs Empirische Kulturwissenschaft, auch wenn sich auchdieser Fachname mancherorts schwer überzeugend vermitteln lässt,zu viele Disziplinen sehen sich als Kulturwissenschaft und erken-nen die methodische Spezifizierung nicht als fachdefinierendes Kri-terium an. Doch meine Bedenken richten sich auf den Anhang: dieErgänzung und Volkskunde. Den Volks(-kunde)-Begriff im Jahr2022 in der Namensgebung einer fachpolitischen Einrichtung expli-zit weiterzutragen und als wissenschaftliches Gremium zu legitimie-ren, halte ich für unangemessen. Darin artikuliert sich eine erheb-liche Diskrepanz zum längst errungenen kulturwissenschaftlichenKonsens und zu fachpolitischen Positionierungen dem Volksbegriffund seiner vielfältigen gesellschaftspolitischen Instrumentalisierunggegenüber.³ Die Beibehaltung des Volkskunde- Begriffs etwa im muse-alen Kontext scheint in Österreich eine andere Legitimation sowieandere Möglichkeiten zu bieten als in universitären Kontexten. Füreinen wissenschaftlichen Ausschuss, der sich politisch als wirkmäch-tige Stimme ungeachtet des parteipolitischen Gegenübers positionie-ren will, scheint er mir überholt. In universitär- forschungsbezogenenZusammenhängen hat der Volkskunde- Begriff wenig Überzeugungs-kraft und wird wohl auch deshalb mit einem Augenzwinkern bei derNamensnennung oder Mailadresse verschwiegen.

Wichtiger scheint mir in diesem Zusammenhang, dass dieAufgabenteilung fachlicher Gremien in Österreich mit der Namens-änderung nicht berührt wurde. Ein Argument der Diskussion überden Konnex von ehemaligem Fachverband und Verein für Volks-kunde war die Vielfalt an parallelen und sich überlagernden Struktu-ren und Ämtern, die manchen als unnötiger Mehraufwand erschien.Eine Klärung der Zuständigkeit und der Sprachrohrfunktion stehtfür die Facheinrichtungen über die landesweite Museums- und Uni-versitätslandschaft des Faches weiterhin noch aus. Die Frage, wel-ches Organ für universitäre Belange, für die Museen des Landesund andere Einrichtungen oder Personenkreise jeweils zuständig ist,wird uns mithin auch nach 2022 beschäftigen und auch die Gene-ralversammlung für Empirische Kulturwissenschaft in Österreich

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Vgl. Jens Wietschorke: Volk. In: Brigitta Schmidt- Lauber,

Manuel Liebig( Hg.): Begriffe der Gegenwart. Wien 2022, S. 271–277.