Aufsatz in einer Zeitschrift 
Reflexionen zum Fach : zur Situation der Europäischen Ethnologie/Empirischen Kulturwissenschaft in Österreich
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ÖZV, LXXVI/ 125, 2022, Heft 2

begann eine Debatte um den geeigneten Namen der Fachorgane undihrer Funktion( en). Ein erster Versuch, den Fachverband bei einerTagung in Graz 2016 umzubenennen, scheiterte. 2021 gelang es, trotzbedauerlich wenig anwesenden Mitgliedern eine knappe Mehrheitan Stimmen für eine Umbenennung zu gewinnen, worauf aus demFachverband die Österreichische Gesellschaft für Empirische Kul-turwissenschaft und Volkskunde wurde.

Zur Einordnung dieses Schrittes und Stellungnahme zumaktuellen Standort des Faches möchte ich zunächst die Entstehungund Funktion der unterschiedlichen Fachorgane in Österreich inErinnerung rufen. Der Österreichische Fachverband für Volkskundewurde 1958 gegründet¹ zuerst noch als Berufsvertretung der imFach sachlich und beruflich tätigen Personen. Ein Motiv soll gewe-sen sein, dem Machtmonopol des zentralistisch in Wien veranker-ten und das Hauptstadt- Volkskundemuseum repräsentierenden Ver-eins für Volkskunde als mächtigstes Vertretungsorgan des Faches inÖsterreich ein wissenschaftliches Gremium, das genuin die akade-mischen und weiteren beruflichen Belange des Faches vertritt undbündelt, gegenüberzustellen. Eine gewisse Schieflage entstand frei-lich dadurch, dass die Herausgabe des Fachjournals, die Österreichi-sche Zeitschrift für Volkskunde, weiterhin beim Verein( in Wien) bliebund dieser schließlich selbst eine fachspezifische, nämlich musealePosition vertritt. Fachpolitische Verhältnisse werden in Österreichstark von hierarchisierten Dynamiken der universitären Gremienund räumlichen Disparitäten zwischen Zentrum( Wien) und Bun-desländern( Einrichtungen in den Bundesländern) geprägt. Immerhinartikuliert sich eine Zusammenarbeit in Gestalt einer( in der Regel)alle drei Jahre stattfindenden Fachverbandstagung samt Publikationder Beiträge in einer Schriftenreihe der Österreichischen Zeitschrift fürVolkskunde, die vom Verein verlegt wird.

Auch beim Fachverband waren die Interessen und Zielgrup-pen heterogen und bezogen neben den universitären Einrichtungenauch Fachvertreter: innen in Museen und anderen Einrichtungen ein,die sich vom Verein für Volkskunde nicht repräsentiert sahen. Dies

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Margot Schindler: Volkskundliche Gesellschaften in Österreich(= Veröf-fentlichungen des Österreichischen Museums für Volkskunde, Bd. XVI)Wien 1992, S. 61-75, hier S. 64 f.