Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Dorf der Frauen“ : ein Recherche- und Vermittlungsprojekt am Museum Wattens
(Tirol)
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ÖZV, LXXVI/ 125, 2022, Heft 1

weiblich.38 Im Hadernsaal der Papierfabrik waren vor allem Frauendamit befasst, den Grundstoff für die Papierherstellung vorzuberei-ten. Bis etwa 1930 verwendete man als Rohmaterial ausschließlichBaumwolllumpen, Hanftaue, Netze, Segel und ähnliche Sorten[...],die zu Halbstoff verarbeitet wurden." 39 Arbeiterinnen zerkleinertendie sogenannten Hadern, anschließend wurden die Fasern in großenKugelkochern durch die Zugabe von Chemikalien gelöst. Erst in den1960er Jahren änderte sich dieses Verfahren.

Der Inhaber der Glasschleiferei, Daniel Swarovski, zeichnetin seinen Erinnerungen die Gründungsphase des Unternehmens inder Zeit von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg nach: Das Geschäft ließ sich gut an, wir produzierten in der Woche etwa200 Pakete Chatons 40( 1 Paket zu 1200 Stück) und lieferten fast aus-schließlich an unsere Steinhändler in Paris, die wiederum in Amerika,England und Deutschland ihre Verbindungen hatten. 41 Die Glas-steine wurden von Frauen aus dem Dorf im Nebenerwerb auf Kettengefädelt, abgezählt, in Papierbriefchen, die andere Frauen in Heim-arbeit herstellten, verpackt und am Ende der Woche zu Swarovskigebracht. Bis heute werden Produkte auf diese Weise in Heimarbeitgefertigt. Das Interesse der Wirtschaft an der weiblichen Arbeits-kraft lag", wie der Historiker Hubert Auer kritisch anmerkt, vorallem daran, daß sie eine billige Arbeitskraft war; diese Tatsache warvor allem durch ihren Einsatz als Hilfskraft bedingt, da die Frauenkaum Qualifikationen mitbrachten. 42 Der Lohn richtete sich nachdem physischen Energieaufwand, Frauen wurden als sogenannteschwache Arbeitskräfte eingestuft und damit auch geringer bezahlt.43

38 Hubert J. Auer: Wattens. Von der Agrargemeinde zum Arbeiterdorf.Eine Regionalgeschichte vom 19. Jahrhundert bis zum Ausbruch des1. Weltkriegs unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiterschaft.Unveröffentlichte Diss., Innsbruck 1988, S. 184-185.

39

Papierfabrik Wattens: 450 Jahre Papierhaus Wattens. Innsbruck, Wien2009, S. 129.

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Bei den Chatons handelt es sich um Schmucksteine, die in erster Liniein der Modebranche weiterverarbeitet wurden. Modelle von Couturierswie Christian Dior wurden mit Kristallglas aus Tirol bestückt.Daniel Swarovski: Aus meinem Leben. In: Fichtl( wie Anm. 20),

S. 519-540, hier S. 525.

42

Auer( wie Anm. 38), S. 184 f.

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Ebd.