Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Dorf der Frauen“ : ein Recherche- und Vermittlungsprojekt am Museum Wattens
(Tirol)
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ÖZV, LXXVI/ 125, 2022, Heft 1

Lebensläufen war von Anfang an auf eine Erweiterung hin angelegt,mit der Museumsarbeit sollten kontinuierlich Biografien hinzugefügtwerden. Folgt man Reinhold Sackmann, besteht mit diesem lebens-laufanalytischen Zugang die Möglichkeit einer dynamischen Perspek-tivierung von Gesellschaft, beispielsweise wenn es- wie in Wattensvon Relevanz- um die Bedeutung von Armut für die Bevölkerunggeht.14

Frauengeschichte( n) schreiben

Die moderne Frauengeschichte hat keine lange Tradition, stelltdie Historikerin Barbara Stollberg- Rilinger mit Blick auf den For-schungsstand fest. 15 Als Geschichtsschreibung von, für und überFrauen ist sie ein Produkt der neuen Frauenbewegung, 16 die sichAnfang der 1970er Jahre in den politischen Konstellationen der Zeit-einem Infragestellen gesellschaftlicher Normen durch die Student* in-nenbewegung oder die Transformation von hierarchischen Machtver-hältnissen mittels partizipativen Ansätzen, aber vor allem auch alsReaktion auf die gleichzeitig unveränderte Dominanz von Männernformierte. Das Aufzeichnen und Aufzeigen von Stimmen, die bisdato keinen oder nur marginalen Eingang in die Bücher gefunden hat-ten, war ein zentrales Anliegen dieser historischen Arbeit. Kritisiertwurde gleichwohl der Umstand, dass die Deutung der Vergangenheitweiterhin männlich blieb, während das Wissen um weibliche Bio-grafien den kanonisierten Männergeschichten lediglich hinzugefügtwurde. In der Folge ist Frauengeschichtsschreibung in einer weitergefassten Geschlechtergeschichte aufgegangen bzw. entwickelte sichGeschlechtergeschichte als eigenständiger Zugang, um explizit nach

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exponieren. Hg. von Martina Eberspächer, Gudrun Marlene König,Bernhard Tschofen. Köln, Weimar, Wien 2002.

Vgl. Sackmann( wie Anm. 9), S. 11.

Barbara Stollberg- Rilinger: Väter der Frauengeschichte? Das Geschlechtals historiographische Kategorie im 18. und 19. Jahrhundert. In: Histori-sche Zeitschrift 262/1, 1996, S. 39-71, hier S. 39.

Ebd., S. 39.

Vgl. Michaela Karl: Die Geschichte der Frauenbewegung. Stuttgart 2020;Axel Schildt, Siegfried Detlef, Karl Christian Lammers( Hg.): Dyna-mische Zeiten: Die 60er Jahre in den beiden deutschen Gesellschaften.Hamburg 2000.